Mit der Jolle auf der Adria (manchmal)Auszüge aus dem Tagebuch meines Bruders: Kroatien 2003![]() Und dann auf den Hänger mit der Fifty-Fifty. Klappt alles problemlos. Abriggen, alles verstauen und festzurren - Ok, bald geht es auf große Fahrt. ![]() Die große Fahrt beginnt auf der Autobahn. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Passau. Der Dreiflüsse-Camping ist etwas antiquiert aber sauber und schön ruhig. Wir übernachten im Boot. Nicht ganz ohne Probleme, denn da gibt es keine Polster und so ist das Nächtle recht hart. Wir schlafen irgendwann trotzdem. Der aufgehenden Sonne entgegen starten wir nach Slowenien. Den Gemeindecampingplatz bei Mureck an der Slowenischen Grenze erreichen wir gegen 15:00. Den Abend nutzen wir zu einem Spaziergang entlang der Mur, wo noch eine gut restaurierte Schiffsmühle steht. So etwas sieht man nur noch selten. Vor dem Schlafen noch mal Kartenstudium, wir wollen uns nicht verfahren. ![]() Diese Nacht ist kurz. Um 4:30 geht der Wecker. Die Grenzen in Slowenien werden ohne Probleme passiert und kurz nach Sonnenaufgang sind wir bereits in Kroatien. ![]() Wir fahren durch ein Land mit teils grandiosen Ansichten und Aussichten. Die Strassen sind gut, wenn auch nicht immer für Leute geeignet, die schnell Höhenschwindel bekommen. Seitlich der Piste geht es oft senkrecht bergab. Und ab Karlovac sind die Folgen des Krieges nicht mehr zu übersehen. Autowracks, verbrannte und zerschossene Häuser, teilweise menschenleere Gegenden... ![]() Wir erreichen am späten Nachmittag Raslina und fragen uns zu Bozo Alviz durch der uns gleich mit einem Schluck Wein und frischem Wasser begrüßt. Leider spricht nur Iwana etwas Deutsch, so daß die Verständigung etwas holprig läuft. ![]() Nach dem Frühstück wollen die Formalitäten erledigt werden. Wir fahren nach Sibenik um unser Permit für das Boot zu besorgen. Perfekter Termin: Dort wird gerade die neue kleine Marina eingeweiht und das ist natürlich ein Volksfest erster Güte mit Markt und Leuten ohne Ende. Nur Parkplätze gibt´s keine mehr. lso vor der Stadt geparkt und rein gelaufen. Der Hafenkapitän ist an diesem Tag ein gefragter Mann. Nach langer Suche finden wir ihn dann doch. In der Hauptsache will er 452 Kunat von uns. Der Rest ist Nebensache. Wir bekommen unser Permit. Stolz das wertvolle Dokument in der Tasche tragend besorgen wir unsere Einkäufe. Und dann zurück nach Raslina. Endlich Segeln! ![]() Das Boot ist schnell im Wasser und aufgeriggt. Der Hafen scheint überall sehr flach. Nur für Motorboote kein Problem - wir müssen das Schwert hochkurbeln um nicht aufzusetzen. Erstweiter draußen wird es tiefer. Wir wollen bei gutem Wind nach Skradin. Aber daraus wird nichts. Kurz vor dem Ende des Sees frischt der Wind plötzlich auf und der Yugo erwischt uns mit Sturmstärke. Natürlich versagt die Rollfock im entscheidenden Moment und läßt sich nicht mehr einrollen. Das Groß muss runter, flattert wie wild und Hilde zeigt erste Zeichen von Panik. "Nu halt mal die Pinne, ich geh nach vorn!" Das herunterholen der defekten Rollfock war eine recht nasse Angelegenheit. Auch das Groß holen wir ganz herunter. Der Außenborder muss ran. Zum Glück springt er sofort an. Unter Aufbietung aller vier Pferdchen kämpfen wir uns gegen den Wind in Richtung Raslina vor. Ein Problem kommt selten allein - der Sprit ist alle! Wer schon einmal in einem wild tanzenden Boot bei 8 Windstärken Benzin aus dem Kanister nachgefüllt hat, weiß wie schwer es ist, dabei nicht zu schlabbern! Wir zaubern auch prompt ein paar Regenbogenfarben auf die Wellen. Hauptsache, kein Wasser im Tank! Aber dann läuft der Motor wieder. Wir schaffen es diesmal bis Raslina, wo wir zu guter letzt mit dem Ruder aufsetzen so dass es uns die Zugleine aus dem GFK reisst. Wär ja auch ein Wunder gewesen, wenn wir nichts zu reparieren hätten... Abends um 22:00 helfe ich einem platschnassen Bozo aus dem Motorboot. Er hatte in Sibenik ausgiebig mitgefeiert und war dann auch auf der Rückfahrt in Sturm und Regen gekommen. Da mussten wir uns erst mal mit etwas Wein wieder betriebswarm machen! Rot, weiss, Rose - alles OK... Zweiter Anlauf nach Skradin. ![]() Die Fahrt unter Segeln die Krka hinauf ist sehr schön! Aber in Skradin ist alles rappelvoll im Hafen. Wir sehen zu, daß wir wieder zurück nach Raslina kommen, denn schon wieder frischt der Wind auf. Das Anlegemanöver klappt nicht. Wegen des aufgeholten Schwerts läßt die Fifty sich kaum noch steuern und treibt im Starkwind gegen ein Ruderboot, das mit stabilen Winkeleisen "verziert" ist. Eins davon hinterlässt einen bleibenden Eindruck in unserem Rumpf. Nach dem Stress brauchen wir erst einmal einen Kaffee. Dann einen Spaziergang zur Beruhigung, durch Wein- und Olivengärten - und an Scharfschützenstellungen des Krieges vorbei... Auf dem Rückweg zieht ein Gewitter auf. Beim Abendessen auf der Terrasse tobt es ums Haus. Dann fällt auch noch der Strom aus. Zeit fürs Bett! Heute erst einmal ausschlafen. Dann einkaufen und den Rest des Tages am Hafen liegen und schauen. Bei unserer Rückkehr ist auch der Strom wieder da. Kaffee gibt es trotzdem keinen: Bozo steht an er Tür und fragt ob wir beim Weinabfüllen helfen. Es war etwas mehr als "ein paar Flaschen" - 300 Liter Weißer und dann noch 150 Liter Rosé... ![]() Am Abend wieder Essen auf der Terrasse mit Bozo und Familie. Käse, Wurst, Sardellen, Wein, Wasser, köstlich und einfach schön! ![]() Heute ist das erste Mal richtig schönes Wetter. Baden am Hafen und Wandern in den Weinbergen. Abend auf der Terrasse, 21:00 Lace Noce. Das schöne Wetter vor dem Fenster trügt: Draußen pfeift die Bora mit 7 Windstärken. Es wird empfindlich kühl. Aber an einer windgeschützten Stelle im Hafen kann man es aushalten. Abends besichtigen wir Vodice bei magischem Licht und Wolkenzauber. ![]() Immer noch Bora. Mit dem Auto nach Skradin. Von dort mit dem Touristendampfer zu den Krka-Wasserfällen. 90 Kunat Eintritt will der Nationalpark (inklusive Boots- und Busfahrten im Park). Ein herrliches Wandergebiet. Die Wasserfälle sind sehenswert! ![]() Abends wieder mit dem Dampfer nach Skradin. Von dort sind es mit dem Auto nur 20 Minuten bis Raslina. Die Fifty schaukelt im Hafen und wartet auf das Ende der Bora... Das Wetter wird etwas besser, blauer Himmel, aber immer noch Bora. ![]() Bora heisst übersetzt "Nix Segeln mit Jolle!" Wir machen also Rundtouren mit dem Wagen. Die Aussichtspunkte entlang der Küste lohnen die Fahrt. Abends sitzen wir wieder am Hafen unter Millionen Sternen und schauen nach den Leuchtfeuern der Krka. ![]() Das Heulen des Windes weckt uns. Bora - nix Segeln! Also wieder mit dem Auto auf die Strasse nach Trogir. Herrliche Ausblicke über die Kornaten. Mittags läßt der Wind nach. Zurück nach Raslina. Die Bora verschwindet so plötzlich wie sie kam. Bei 2-3 Windstärken macht das Segeln wieder Spass! Für große Strecken reicht es heute nicht mehr, aber das macht nichts. Abends kommt Bozo: "Trinken, Trinken!" Er hat natürlich wieder etwas vor. Wir sollen mitkommen zur Weinlese am nächten Tag. Na gut. Es sei! um 9:00 auf die Pritsche von Bozos LKW (mit 3Zylinder Perkins-Diesel, damit man nur eine Sorte Ersatzteile braucht..) ![]() Mittags sind die Trauben geentet, wir haben uns beide in den Finger geschnitten und nach der Rüttelei auf der Rückfahrt hätte Bozo die Trauben eigentlich kaum noch pressen müssen. Er tut´s trotzdem. Nachmittags besichtigen wir mit Bozo und Camillo das Inland. ![]() Eine alte Festung mit Ausgrabungen kroatischer Geschichtszeugnisse und ringsum "von Serben gesäubertes" Gebiet. Menschenleer. Überall in der Landschaft die Zeugen des Krieges - zerschossene Häuser und Autos, von Kugeln durchsiebte Schilder inmitten traumhaft schöner Olivenhaine mit klaren Quellen und Flusskrebsen... ![]() Was in den letzten Tagen zuviel Wind war, das fehlt heute ganz. Ein Tag für die Hafenbucht, zum Schwimmen und Sonnen. Wieder kein Wind. Weinernte bei Dusenkas Mutter. In einer Stunde mit 8 Leuten 500 Kilo Trauben geerntet. Um 14 Uhr wieder in Raslina. Etwas Wind. Wir segeln nach Sibenik und genießen den Ausblick auf die Stadt vom Wasser aus. ![]() Abends geht´s bei leichtem Wind zurück nach Raslina. ![]() Wir haben noch zwei Segler mit ihrem Boot getroffen! Gemeinsam fahren wir noch einmal raus, bevor Manfred und Frida wieder nach Hause müssen. Ihr Urlaub ist schon fast vorbei... Durch den Sibenik-Kanal geht es vorbei an der Festung St.Nikolaus auf die Adria. Die Farbe des Wassers wechselt von grün nach blau. Nach der Passage der Inseln Privie und Zlarin ankern wir in einer wunderschönen Bucht der Insel Tijat. ![]() Baden, Sonnen, Pause. Dann wieder zurück nach Sibenik. Mit ausgebaumter Genua vor dem Wind. Herrlich! Auf der Krka lassen wir die Segel fallen und fahren unter Motor nach Raslina zurück. Manfred und Frida müssen ihr Boot noch an Land ziehen. Wir beschließen den Tag und feiern Abschied mit einem guten Essen im Hafenrestaurant. Heute ist unser 24.Hochzeitstag. So einen Tag verbringen wir an unserem, Lieblingsplatz im Hafen, bei Fischsuppe von Dusanka und abendlicher Runde mit Bozo und Camillo auf der Terrasse mit langen Gesprächen über Gott und die Welt. Ein perfekter Tag. Heute weht der Maestral pünktlich ab Mittag. Wir durchkreuzen den See in allen Richtungen und geniessen das Rauschen des Wassers unterm Kiel.
Abends sind schon alle im Bett als wir heimkommen. Heute Mittag wird der Wind schon wieder heftig. Bevor uns der Yugo noch einmal so erwischt, legen wir in Raslina an. Mit dem Wagen erkunden wir nachmittags die Umgebung von Vodice und Srima, von wo man in der Abendsonne einen herrlichen Blick auf die Inseln Logorun und Prvic hat. Von Jadrija sieht man hinüber nach St. Nikolaus. Auf der anderen Seite der Krka leuchtet Sibenik im Abendlicht. Im Hafen noch ein leckeres Pivo. Das Wetter wird wieder ungemütlicher. Wilde Wolkenberge zeigen sich am Himmel. Nur ein wenig Herumsegeln, nicht zu weit, denn man hat so seine Erfahrungen.. Heute früh hat die Sonne den Kampf mit den Wolken endgültig verloren. Die Bora ist zurück. Nix Segeln! Wir besichtigen die Altstadt von Sibenik ![]() und besuchen am Nachmittag noch Bozo´s Schwester. Wieder mal ein netter und gastfreundlicher Abend. Einer der letzten in diesem Urlaub. Blauer Himmel und Bora. Im Hafen herrscht Windschatten, so können wir das Boot ohne Probleme auf den Trailer ziehen. Der Rumpf ist mit einer glitschigen Schicht Algen überzogen. So starken Bewuchs kennen wir in Xanten nicht. Camillo kommt vorbei und redet mit uns über Boote und andere schöne Dinge. Dann läd er uns zu frischen Feigen und Kräuterlikör ein. Der Abend vergeht mit langen Gesprächen. Letzter Tag. Sogar die Bora beschließt, abzureisen. Noch ein letzter schöner Tag am Hafen ![]() dann gehen wir mit den Hühnern zu Bett - die Rückfahrt wird anstrengend... Bozo schenkt uns noch eine Flasche Wein als Wegzehrung. Die Rückreise geht über die schon bekannte Route. Übernachten wieder in Passau. Fahrn fahrn fahrn auf der Autobahn... Um 22:00 hat uns Ellinghorst wieder. Fazit: Kroatien mit der Jolle lohnt die Reise, aber wer gern mehr segelt und nicht so viel Zeit an Land verbringen will, muss entweder ein ganz Harter sein, der auch bei Bora und Yugo segelt oder lieber ein größeres Boot nehmen, in dem man nicht ganz so nass wird... |