Hier ist er, der Törnbericht. Peter hatte auch noch Fotos versprochen, aber das dauert noch ein paar Tage. Wir bauen die Bilder ein, sobald wir sie bekommen. So, und jetzt begleiten wir Peter und seine Crew auf ihrem Balearentörn:
Prolog
Herzlichen Glückwunsch, Herr Windeck, Sie haben gewonnen!
Krampfhaft überlegte ich mir am Morgen des 31.12.2000, welchem meiner Bekannten die Stimme am Telefon gehören könnte; denn dass es sich bei dieser Gewinnankündigung um einen frühen Silvesterscherz handelte, stand für mich sofort außer Zweifel.
Die Stimme am anderen Ende versuchte, mich davon zu überzeugen, dass es tatsächlich um einen Gewinn ging. Inzwischen war mir klar geworden, dass keiner meiner Freunde mich angerufen hatte, sondern eine Werbefirma mir unter der Vorgaukelung eines immerhin möglichen Gewinns irgendwas verkaufen wollen würde.
Die Stimme, die Heribert, dem Webmaster von segelnetz.de gehörte, fragte nach, ob ich mich noch an das Internet - Preisausschreiben erinnern könnte, bei dem es um die Lösung einer Navigationsaufgabe ging und bei dem man die Yachtcharter einer neuen 40-Fuß Bavaria im Hafen von Cala dor bei Mallorca Bootcharter auf Mallorca gewinnen konnte.
Langsam begann ich zu begreifen, dass es sich weder um Scherz noch um Bauernfängerei, sondern um einen salzwasserwaschechten Glückstreffer im Wert von 3000 DM handelte.
Tja, da war ich erst mal platt.
Die Familie war es auch. Aber:
Da der Zeitpunkt für die Einlösung des Gewinns außerhalb der Saison lag, war bald klar, dass die Familie leider nicht mitmachen konnte.
Doch wofür hat man Freunde?!
Zunächst fragte ich Frank ganz nebenbei großspurig, ob er Lust hätte, mir einen Flug nach Mallorca auszugeben, wenn ich im Gegenzug für eine Yacht an Ort und Stelle sorgen würde natürlich kostenlos für ihn. Ich hörte am Telefon förmlich seine Gehirnmuskeln knirschen, als er überlegte, was da jetzt wieder rauskommen könnte.
Ich ließ ihn nicht sehr lange zappeln und erklärte ihm die Sachlage. Er war genau wie ich sehr skeptisch, ob es sich nicht um einen Werbetrick handelte, ließ sich aber (halbwegs) überzeugen. Wir kamen überein, die Crew, mit der wir im vergangenen Jahr auf dem Ärmelkanal unterwegs waren, zusammenzutrommeln.
Es bedurfte keiner großen Überredungskünste, sie zu begeistern. Wir brauchten uns keine Gedanken mehr um den Törn für 2001 zu machen, den wir bereits im Sommer verabredet hatten (mein Vorschlag waren die Lofoten). Und nach dem alten Musketiermotto Einer für Alle und Alle für Einen freuten wir uns nach der Terminabsprache auf einen kostenlosen Törn (und ich auf einen ebensolchen Flug).
Tag 1 Samstag, den 20.10.2001 Hinflug und Übernahme
Von Silvester 2000 bis Mitte Oktober 2001 ist eine lange Zeit, aber die Vorfreude auf diesen Törn ließ mit der Zeit nicht nach, sondern steigerte sich noch.
So traf sich also die Crew morgens um 5:00 Uhr noch etwas müde aber gut gelaunt vor dem Schalter der Air Berlin in Düsseldorf. Nach ruhigem Flug landeten wir ziemlich pünktlich um neun in Palma. Das Wetter sah bescheiden aus. Wolkenverhangen und mit Nieselregen zeigte sich die Insel nicht von ihrer besten Seite. Wir nahmen dies jedoch lächelnd hin, denn schließlich hatten wir durch den Wetterbericht nahezu Gewissheit, dass am nächsten Tag die Sonne scheinen würde.
Um 9:30 Uhr wollten Moni und Bernd , die Eigner der Segelyacht, uns am Meeting Point der Ankunft in Empfang nehmen. Wir hatten leider keine rote Rose oder Ähnliches als Erkennungszeichen ausgemacht, so dass wir uns nicht sofort trafen.
Natürlich klappte es dann doch noch.
Wir liefen zum Parkhaus und fuhren verteilt auf zwei Autos los. Bei dem von Moni ausgesuchten Supermarkt trennten wir uns. Während Claudia, Gabi, Frank und Lutz mit zum Einkaufen gingen, fuhren Ottmar und ich mit Bernd samt Gepäck in den Hafen von Cala dor, um das Schiff zu übernehmen.
Wir waren überrascht von der kompromisslos auf Komfort ausgelegten Ausrüstung.
Im Vorhinein hatten wir schon erfahren, dass wir keine Automatikschwimmwesten mitbringen mussten, auch keine Handtücher oder Bettwäsche. Dass die Betten bereits bezogen waren und sich auf jedem Kopfkissen sogar kleine Packungen Sonnencreme etc. befanden, vermittelte ein Gefühl der Gastfreundschaft.
Die Übergabe des Schiffs verlief denkbar locker und unproblematisch. Das Timing stimmte, denn kaum hatten wir das Gepäck (spöttische Bemerkung über Gewicht und Umfang unserer Bordtaschen) verstaut, kam auch schon unser Versorgungsfahrzeug. Als Draufgabe spendierte uns Bernd noch die Bettwäsche und den Außenborder. Generös!
Kurze Verabschiedung und Verlegung des Begrüßungstrunks auf das Ende des Törns, da die Eigner noch einen weiteren Termin hatten. (Ganz schön aktiv, die beiden!)
Nachdem auch das schwerste Bordgepäck aller Zeiten, nämlich Claudias wachsende Küchentasche irgendwie unter Deck gewuchtet worden war, ließen wir uns zunächst mal zu einem ersten Umtrunk mit spanischem Bier nieder, um uns zu beglückwünschen, dass bisher alles nach einem unbeschwerten Törn aussah.
Hafen Cala d'OrAm späten Nachmittag verlegten wir unsere Aktivitäten in das Restaurant La Dorada in Cala dOr. Der Name war Programm und es gab eine Fischplatte für alle. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als ich eine Episode aus einer Comedy-Sendung erzählte: ein Inder fragte sich, was die Deutschen überhaupt besonders gut können. Ah, ja, die Deutschen können gut mit Computern umgehen (Pause)- HAHAAAA, alter Inderwitz!! Dabei stieß ich Ottmar in die Seite. Leider hatte er gerade einen Bissen im Mund. Aber er hats doch noch geschafft!
Ab da machten ständig irgendwelche alten XXX-Witze die Runde. Kann man eigentlich nicht erzählen, muss man dabei gewesen sein.
Der geneigte Leser fragt sich jetzt sicher zum wiederholten Male, wann denn jetzt endlich der Törn anfängt. (Gar nicht alter Schreiberwitz)
Gemach, schließlich hatten wir Urlaub, und davon soll auch was rüberkommen.
Nachts gegen 11 oder halb zwölf wachte ich auf, als ein Pärchen aus dem Ort zurückkam und auf eins der Nachbarboote stieg und die Frau seufzte: Hans, ich glaube, ich werde alt. Früher sind wir doch um diese Zeit erst losgezogen!
Tag 2 Sonntag, den 21.10.2001 Von Cala dor bis Cala moltó
Sonntagmorgen. Frank, mit dem ich mir die Koje teilte, hatte an Deck geschlafen und so waren wir beide fit. Sonst gibts nachts öfter Platzkämpfe oder Schnarchwettstreite mit anschließendem Rippenstoßen.
Nach den rituellen Waschungen und Gabis x-ter Morgenzigarette begannen wir an Ablegen zu denken.
Das Manöver war eigentlich kinderleicht, weil die Bon Vent III dermaßen zwischen zwei überbreite Motoryachten eingeklemmt war, dass man nach Lösen der Leinen und Einholen der Fender wie auf Schienen aus dem Liegeplatz rutschte. Dabei half ganz unaufdringlich der gut gedämpfte Motor und das direkt reagierende Ruder.
Der Himmel war blau, die Sonne lachte und trotzdem blies ein nettes Windchen. Das Windchen ließ außerhalb der Bucht sein chen fallen und wurde zum Wind. 6 bis 7 Beaufort. (Kein Wunder, Bernd erzählte uns später, an der Westseite der Insel hätte es gestürmt.) Aus Westen mit Welle aus Süd. Wir fuhren also Richtung Norden. Warum sollten wir nicht nach Norden fahren, wenn wir doch sowieso nicht wussten, wo genau wir hinwollten?! (Ist diese Einstellung nicht verwerflich?! Deutsche Segler ohne minutiös ausgearbeitete Törnplanung?! Wo sollte das nur hinführen?! Nun ja, hoffentlich letztendlich wieder zurück in den Hafen von Cala dOr!)
Wir setzten zunächst mal die Fock. (Zu faul, in den Wind zu gehen zum Segelsetzen ts ts ts) Dann gingen wir auf irgendeinen Kurs NNE, nachdem wir auf den Karten festgestellt hatten, dass uns keine Hindernisse erwarteten.
Frank warf Händels Wassermusik in den CD-Schlitz und dann wurde mir schlecht. Achterliche Welle kann ich nicht gut. Inzwischen warte ich schon richtig drauf, dass mir mulmig wird. Es lag also nicht an Händel. Schon eher an dem Zigarettenkonsum unserer drei Raucher. Ich will hier keine Namen nennen, aber sie fangen mit C, G und O an (und das heißt nicht etwa Cigaretten-Großverbraucher-Organisation)!!!
Händel wurde nach einiger Zeit abgewürgt. Die Raucher rauchten weiter!
So zogen wir gemütlich unsere Bahn, bis einer, nachdem uns das zweite kleinere Segelboot überholt hatte, auf die blödsinnige Idee kam, das könnten wir uns nicht gefallen lassen. Also Groß raus.
Es kam wie es immer kommt, wenn Aktionismus betrieben wird, es klappt nicht richtig. Wir gingen in den Wind, vorsichtshalber lief der Motor mit im Leerlauf. Das Groß sollte leicht nach Backbord aus dem Mast gerollt werden, damit die Segellatten nicht verkanteten (wahrscheinlich beim Einrollen viel wichtiger). So weit, so gut. Allerdings handhabten wir die Rollanlage nicht richtig, so dass das Segel ganz herauskam, anstatt bis zu einem Reffpunkt geholt werden zu müssen. Auch nicht schlimm ziehn wirs wieder rein. Inzwischen blähte sich das Segel jedoch und das Boot nahm wieder Fahrt auf. Allerdings in die falsche Richtung. Alle blickten auf den Ruderknecht. Warum diese Richtung? Achselzucken. Das Steuer war richtig eingeschlagen und der Motor lief allerdings im Leerlauf. So kamen wir zur ersten Wende dieses Tages und dieses Törns. Asche auf unsere Häupter. Nein, ein Haupt bleibt sauber (obwohl wir eigentlich genug Asche hatten) Ottmar hatte in seiner Koje gelegen und war durch den Tumult an Deck aufgewacht. Er kam ins Cockpit und wusste sofort, was zu tun war, nämlich fragen: watt soll datt denn? Das half. Nach und nach wurden alle Fehler korrigiert und das Schiff wieder auf Kurs gebracht (wir wissen schon: irgendeinen Kurs NNE.
Alles war wieder im Lot. Zunächst wurde jeweils eine Zigarette geraucht, um den Ascheverlust (siehe oben) wieder auszugleichen und dann beglückwünschten wir uns, dass bisher alles nach einem unbeschwerten Törn aussah (siehe noch weiter oben).
Na gut, jetzt waren wir etwas schneller. Beim Wellensurfen kamen wir auf maximal 9,9 MPH. Das zeigte jedenfalls die Elektronik an. Aber wieso eigentlich MPH? Warum nicht kts? Irgendeiner unserer Vorgänger muss nach Landkarte gefahren sein statt nach Seekarte. Anstatt uns jetzt in die diversen Gebrauchsanweisungen zu vertiefen, nahmen wir es hin.
Leider hatten wir nicht mehr viel von dem Großsegel, denn nachdem wir uns endlich mal mit der Standortbestimmung befasst hatten, stellten wir fest, dass wir kurz vor Cala Ratjada segelten und dies der ideale Übernachtungsort vor einem Abstecher nach Menorca schien. Oder sollten wir etwa nachts rübersegeln?? NEIN! Urlaub!!
Fock rein! In den Wind (diesmal nicht im Leerlauf), Groß rein (Achtung, Baum leicht backbord halten, wegen der Segellatten.
Gut, und jetzt? Fahren wir in den Hafen von Cala Ratjada? Och nöh!, laß uns mal um die Huk fahren und gucken wie die nächste Bucht aussieht. - Da war ich schon mal, da bauen sich manchmal ordentliche Wellen auf, da sind schon einige ertrunken Badegäste. - Und dahinter, die kleine Bucht? - Im Reiseführer steht, dass die ganz einsam sein soll. Wenn das im Reiseführer steht, ist das die beste Reklame, dann wird da wohl kein Platz mehr sein. Lass uns doch mal gucken. Möchtest du auch ne Zigarette? (Hatte jetzt nicht direkt was mit der Bucht zu tun, wurde aber auch geäußert!)
Erst mal die Nase reinstecken in das Loch. Na prima! - Da liegt schon ein dicker Katamaran und zwei weitere Yachten. Strategisch gut verteilt. Wir fahren schräg links vorne vor eine der Yachten (Provokation!! Seefahrtterminologie total verhunzt!). Neben den Kat.
Thales (oder wars n anderer Grieche?) würde jetzt sagen: Störe meine (Schwoj-)kreise nicht! Frank absolviert sein Ankersolo und wir liegen an der Kette.
Das war uns jetzt aber doch nun wirklich etwas zu einfach!
Der Wind bläst ja ordentlich.
Jaaa.
Vielleicht sollten wir etwas tiefer in die Bucht reinfahren. Etwas mehr unter Land ist es bestimmt ruhiger.
O.K. für überflüssige Manöver sind wir immer zu haben. Kleine Fahrt voraus. Anker aufnehmen und tucker-tucker vorsichtig Richtung Land getastet. Der Ankergrund ist überall gut. Wir suchen uns eine Stelle möglichst ohne Unterwassergemüse und der Anker fällt zum zweiten Mal. Diesmal liegen wir neben der anderen Yacht genau rechts daneben. Ich soll jetzt dwars Steuerbord schreiben. Tu ich nicht, bevor mir nicht einer die Herkunft des Wortes dwars darlegen kann. Ich warte!
Obwohl die Bucht nach Osten geöffnet ist, bläst immer noch ein ganz gehöriger Westwind. Genau wie vorhin. Aber keiner hat mehr Lust, nach einer geschützteren Stelle zu suchen. Erstens, weil es die anscheinend sowieso nicht gibt, und zweitens, weil inzwischen unvorsichtigerweise die erste Bierdose geöffnet wurde. Außerdem liegen wir natürlich sicherer, weil die Stelle flacher ist und darum ordentlich viel Kette auf dem Grund liegt und dem Anker beim Festhalten hilft. (Gibts dafür vielleicht auchn Fachausdruck?) Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, - nach dem ersten Schluck Bier - , ins Wasser zu stürzen (herrlich!) und den Anker zu inspizieren. Die beiden Tauchermaskenträger tauchen wieder auf und melden Eishockey. Ohne Maske hätte es sich angehört wie: alles o.k.

Beim Abtrocknen weiß inzwischen schon keiner mehr, ob er überhaupt das richtige Handtuch erwischt hat. Alle sind himmelblau (die Handtücher!) und obwohl Gabi zum Ende des Törns immer noch steif und fest behauptet, die Handtücher zuordnen zu können, sehen wir anderen schon eine nicht mehr aufzuhaltende Promiskuität der Trockentextilien heraufziehen. O tempora, o mores!
Apropos Tempora: Hunger!!!
Stichwort für Claudia. Sie öffnet nun auch ihren Zauberkoffer und fängt an zu brötscheln. Es gibt...... ich weiß es gar nicht mehr, aber es muss gut gewesen sein, denn alles was Claudia bisher zubereitet hat, war gut. Ihr Ottmar ist ein lebender Beweis. Frank verträgt sogar Olivenöl, wenn Claudia es verwendet hat (- sonst würde er auch auf jedem Törn verhungern).
Hier ist nun auch der Zeitpunkt gekommen, das Geheimnis von Claudias Kochtasche zu lüften.
Claudia fährt ja schließlich nicht zum erstenmal zur See und hatte früher schon gemerkt, dass immer etwas an Bord fehlt. Mal ein Gewürz, mal ein paar Meter Kabel für den blauen Festmacher, das Landstromkabel. Flugs hatte Claudia das Fehlende besorgt und für den nächsten Törn mit in ihren Tascheninhalt integriert. So wurde die Tasche von Törn zu Törn größer und schwerer. Vor allem schwerer!
Heute sah Claudia, dass der Mann auf dem Nachbarboot eine Hängematte zwischen Vorstag und Mast gehängt hatte NEIN! - Ich will nichts provozieren!! Schließlich müssen wir beim nächsten Mal wieder die Tasche schleppen.
Wir brachten dann noch den Heckanker aus, weil wir feststellten, dass der Nachbar ihn auch draußen hatte und wir ihm bei rechtdrehendem Wind nicht zu sehr auf die Pelle rücken wollten.
Der Motor wurde auch noch am Dinghi montiert. Einmal um ein kleine Höhle näher zu inspizieren und zum zweiten, um Mitsegler mit gut funktionierender Darmperistaltik trockenen Fußes zum Örtchen zu bringen. Alles andere wäre in dieser schönen Bucht Pfui gewesen.
Inzwischen war es dunkel geworden. Die Sterne wurden sichtbar und wir ergingen uns in Mutmaßungen über die Sternbilder. Natürlich kannte Ottmar vom Segeln und seiner Fliegerei her einige mehr als der Rest der Crew. (Oder schläft er einfach nur häufiger auf dem Rücken?) Wenn einer fragt, wann WIR denn schlafen gegangen sind und damit dieses Kapitel endlich zu Ende ist jetzt!
Tag 3 Montag, den 22.10.2001 Von Cala moltó nach Ciutadella (Menorca)
Ciutadella
Dieser
tief ins Land einschneidende Hafen wird von vielen Yachties, von
Mallorca kommend, als erster Ansteuerungshafen auf Menorca gewählt.
Ab 20 Uhr entwickelt sich in den Sommermonaten ein reges Treiben. Die
Restaurants sind heiß begehrt, mehr wegen der Sicht als des
Essens; zu sehr hat sich der Tourismus bemerkbar gemacht.

Durch die engen Gassen und die vielen Boote auf kleinem Raum, besitzt der Hafen jedoch noch immer ein unvergleichliches Ambiente.
Soweit der Reiseführer.
Da wollten wir also jetzt hin.
Frank und ich hatten wieder prima geschlafen weil ich den Salon anstatt meiner Koje bevölkert hatte. So entfiel auch in dieser Nacht der Kampf um jeden Zentimeter Liegefläche.
Es war toll, jetzt ins erfrischende Nass zu springen und den jungen Morgen zu begrüßen. (Tirili tirila)
Lutz hielt es auch nicht mehr im Bette und wir schwammen um die Wette. (ein Reim, ein Reim wir sind Dichter geworden! Lass gut sein, Peter, das gibt sich wieder.)
Nach und nach kamen alle aus den Löchern und tauchten in die Fluten.
Lutz und Frank fuhren mit dem Dinghi an Land zum Brötchenholen, nicht ohne beim Einsteigen eine lose herumliegende Schwimmflosse versenkt zu haben, und dann tauchten die Fluten in uns in Form von Kaffee bzw. Tee.
Wir wollen hier nicht darauf eingehen, dass oder warum in den nächsten Tagen immer wieder von der Anziehungskraft weiblichen spanischen Bäckereipersonals die Rede war, wir glauben, dass Lutz auch ohnedies jeden morgen freiwillig Brötchen geholt hätte oder?
Lassen wir das.
Heckanker einholen. Tja Lutz, dann tauch mal schön nach der Flosse! Hat geklappt.
Wir liefen aus. Zunächst einmal aus der Bucht. Endlich konnte man ohne schlechtes Gewissen auch wieder die Toilette benutzen.
Wir starteten bei strahlendem Sonnenschein und Wind aus S bis SW mit 4 5 bft. Nachdem wir die halbe Distanz zurückgelegt hatten, zog Dunst von Mallorca herüber. Wolken, die sich über der Insel gebildet hatten, lösten sich wieder auf. Es sah ein bisschen aus wie Fön. Die Küste von Menorca, die wir anfangs als dunklen Schatten auf dem Horizont wahrgenommen hatten, war jetzt klar zu sehen und Siedlungen waren auszumachen.
Etwa hier begegnete uns eine Rettungsinsel für fluglahme Möwen. Sah jedenfalls so aus. Hat aber leider niemand von uns fotografiert. Wir haben das Ding nicht genauer untersucht, vermuten aber, dass es sich dabei um Auftriebskörper für Reusen handelt, die die Fischer aus irgendwelchen Pflanzenteilen gebastelt haben und die aussehen wie kleine Inseln mit einer Palme an einem Ende. Dieses Gerät wurde von einer Möwe zum Ausruhen benutzt. Sah lustig aus!
Der Wind ließ nach. Wir beschlossen, den Motor zu Hilfe zu nehmen. Passte ja auch gut! Leichter Wind von schräg rechts hinten. Mit Motorhilfe also halber Wind (falls man noch von Wind reden konnte). So gut wie keine Lage, also keine Gefahr, dem Diesel das Kühlwasser vorzuenthalten.
Die Windverhältnisse verbesserten sich auch während der restlichen Zeit nicht mehr gravierend. Jedenfalls nicht, wenn wir auf See waren leider!
Und unser Steuermann? Der hieß meist: Autopilot.
Lutz, der sich auf unseren Törns den Beinamen das Ruder verdient hatte und unter diesem Namen endgültig in die Annalen der Seefahrt eingegangen war, als er im letzten Jahr einige Seemeilen vor Ramsgate im Gewitter und prasselndem Horizontalregen unbeirrt das Steuer festhielt - als Blitzableiter diente ihm sein eiserner Wille derselbe Lutz wandte sich angewidert von seiner elektromechanischen Konkurrenz ab und verzog sich schmollend in den Bugkorb wo ihm schlecht wurde.
Wir wünschten uns jetzt einen Blister. Von Süden kam noch ziemlich weit entfernt - ein Segler mit voller Blase auf uns zu. Sah gut aus.
Aber irgendwann brachte uns das Schiff (wir brauchten ja kaum noch was zu machen) bis kurz vor Ciutadella. Der Autopilot wurde abgeschaltet und zack war Lutz wieder in seinem Element.
Jeder Landfall ist spannend und entspannend gleichzeitig. Egal wie die Fahrt auch war, die letzten paar Meilen sind immer was Besonderes. Vor allem, wenn man den angesteuerten Hafen nicht kennt.
Jeder hielt jetzt nach Landmarken Ausschau. Ah ja, da war dieser seltsame Turm an der Hafeneinfahrt. Hier war das Wasser ziemlich unruhig. Das änderte sich allerdings rasch, als wir zwischen den hohen Felswänden in den Hafenschlauch fuhren.
An Steuerbord ließen wir den Club Nautico. Hier waren Liegeplätze frei. Aber wir fuhren weiter. Ein freier Liegeplatz vis-à-vis einem Restaurant lud uns ein. Dort war jedoch ein Täfelchen angebracht, das wir nicht lesen konnten. Mh! Kurve und zurück. Als wir am Club Nautico festmachen wollten sprach uns ein Mann an, der dort arbeitete und meinte, wir könnten doch viel besser weiter stadteinwärts liegen. Er lief los. Wir folgten ihm brav. Und landeten an eben der Lücke, für die wir uns vorher schon interessiert hatten. Anlegemanöver römisch-katholisch oder calvinistisch-niederländisch? In Anbetracht der Tatsache, dass wir vor einem Restaurant liegen sollten, drehten wir den Bug zum Land. Irgendwie waren wir uns einig, dass wir uns nicht auf den Teller gucken lassen wollten. Die Sorgen stellten sich als unbegründet heraus, denn das Restaurant hatte wegen des Endes der Saison geschlossen. Ich nahm mir den Heckanker und brachte ihn per Dinghi aus. Gut abgefendert machten wir noch längsseits an unserem Nachbarn fest, weil wir was von schlechtem Wetter gehört hatten und besser man hängt mit dem Nebenmann zusammen als dass man gegen ihn knallt.

So, jetzt war nichts mehr zu tun. Doch Anlegeschluck.
Wir saßen also beschaulich da und tranken ein kühles Bier bzw. Fanta (gesegnet sei der Erfinder des Bordkühlschrankes, und unser Vercharterer, der weder Kosten noch Mühen gescheut hatte, reichlich Batterien in unser Schiff einbauen zu lassen).
Da kam auch schon das Blisterboot von vorhin. So was ähnliches wie die spanische Antwort auf den schwedischen Schärenkreuzer. Schlank, ohne Aufbauten, ohne Reling, aus Holz, supergepflegt mit uniform gekleideter Mannschaft.
Ich finde es immer lustig, wenn bis dahin ruhig herumstehende Menschen bei Gebrauch des Handys von einem unwiderstehlichen Wandertrieb beseelt werden. Aber das Bild des an uns vorbeiziehenden Bootes, auf dessen Deck jemand telefonierend auf- und abging, während die Crew versuchte, einen Platz am Kai zu finden, war schon sehenswert. Schließlich legten sie sich neben uns.
Ich hatte gerade den Wasserschlauch aus der Backskiste genommen um die Tanks zu füllen, als ich mich plötzlich auf gleicher Höhe mit unserem Handyman befand. Ich fragte ihn, ob er bei uns festmachen wollte. Er guckte irritiert auf den Schlauch in meinen Händen und meinte nur abwehrend: We dont need that! Klarer Fall von Missverständnis.
Wir hielten prophylaktisch Ausschau nach einer Toilette. Die befand sich auf der anderen Seite des Kanals neben einer Fähranlegestelle. Muss inspiziert werden! Außenborder ans Beiboot und ich schipperte Claudia zum Örtchen. Auf dem Rückweg machten wir wegen der romantischen Stimmung im Hafen einen Abstecher gewässeraufwärts und unter der Brücke durch. Natürlich wurden wir beobachtet der Motor war ja laut genug und so manche Frau sagte sicher zu ihrem Karl-Heinz: So was hättest Du mit mir auch mal machen können! (Jedenfalls kriegte Ottmar das von Claudia zu hören.)
Wir machten uns endlich landfein und versuchten, ein passendes Restaurant zu finden. Ist schwierig bei uns! Sechs jeweils qualitätssteigernde Ansprüche und dann noch Platz für ein halbes Dutzend Leute?! Gut, dass wir zum Schluss doch immer auf den Boden des Machbaren zurückfinden. Wir waren auf unserer Wanderung schon fast wieder am Boot angelangt, als wir schnell noch einen Haken in das nächstgelegene Touri-Restaurant im Hafen schlugen.
Den Rest erledigte ein kleiner abendlicher Umtrunk im Cockpit.
Tag 4 Dienstag, den 23.10.2001 Von Ciutadella nach Cala Morell und Platjas d Algayarens (Menorca)
Gut ausgeschlafen waren wir am nächsten, späten, Morgen voller Tatendrang. Als ich aufstand, sah ich gerade noch unseren Nachbarn wieder davonfahren. Das war schon ein nobles Schiffchen. Am Kai lag immer die eigene Fußmatte und an Bord stand der Korb mit dem abgelegten Schuhwerk. Gute Sache. Könnte man sich eigentlich angewöhnen.
Ottmar erzählte mir, dass deren Müllsack, bevor er von Bord gebracht wurde, von Handyman inspiziert worden war. Könnte man sich eigentlich abgewöhnen.
Nach dem Frühstück (Brötchen von Lutz) gingen wir los, eine neue Gasflasche einkaufen. Gleichzeitig wollten wir die Hafengebühr bezahlen. Günstig: 1750 Peseten Nachsaison.
Wir bewegten uns also Richtung Hafenmeisterei und fragten hier und da nach einem Laden mit Campinggas. Einer wollte uns tatsächlich in eine Drogerie schicken. Auch der Hafenmeister wusste keinen Rat. Also liefen wir aufs Geratewohl in die Stadt. Und fanden das Gesuchte in einem Eisenwarenladen. Zurück zum Schiff. Inzwischen waren Wolken aufgezogen und wir überlegten, was mir machen sollten. Da uns der Ort sehr gut gefiel dachten wir zunächst daran, hier zu bleiben (und abends unser Glück in einem anderen Restaurant zu versuchen).
Lutz und ich (das Improvisations-Team) nahmen uns eine Bastelarbeit vor. Der Multifunktionsgriff des Wasserhahns vom Waschbecken war defekt. Bernd hatte schon einen neuen bestellt. Uns nervte es, dass man immer fummeln musste. Wir versuchten verschiedene Techniken. Stopf- und Klammertechnik brachten keinen Erfolg, obwohl wir wahre Wunderwerke deutscher Ingenieurskunst produzierten. Zum Schluss half die brutale Durchschraubmethode. Den Hahn bricht keiner mehr so leicht ab.
Zwischenzeitlich hatte sich das Wetter wieder gebessert und wir dampften doch noch los. Wir wollten nur kurz um die Nordwesthuk von Menorca und dann in eine Bucht. Wind kam von N bis NW, aber es sah nicht nach Starkwind aus, so dass wir annahmen, auch eine nordwärts geöffnete Bucht würde einen guten Ankerplatz bieten.
Als wir im NW an der Insel entlang fuhren, machten wir an Land Steinhügel und wälle aus. Wir stellten Vermutungen über Zweck und Ursprung dieser Bauwerke an. Sie reichten von alten Grabstätten (dafür sah alles zu neu und zu ebenmäßig aus) bis zu Steinwällen als Grenzmauern, zu denen man die ansonsten auf den Feldern oder Weiden störenden Brocken aufhäufte. Letzteres stimmt anscheinend.
Über 1000 km beträgt die Länge der auf Menorca kunstvoll aufeinander geschichteten Steinmauern. Ohne Mörtel werden in zwei Reihen zunächst größere, dann immer kleinere Steine aufeinander gesetzt. Der Zwischenraum wird mit kleineren Steinen aufgefüllt. Gleich mehrere Ziele werden durch die Steinmauern verfolgt.
Sie schützen vor dem starken Nordwind und verhindern das Abtragen der Erde
Sie begrenzen Grundstücke und dienen Tierherden als Umzäunung
Gleichzeitig sind die vielen Steine sinnvoll "aufgeräumt".
Die dunkle, fast drohende, bizarre, abgebrochene Küste stand im krassen Kontrast zu der sonnenbeschienenen Oberfläche mit den willkürlich wie Spielzeug darauf verteilten Steinpyramiden. Wir hatten leichten Segelwind und machten so um die fünf Knoten. Aber das war nicht wirklich wichtig.
Von der Cala Morell hatten wir uns etwas mehr versprochen. Die Bucht war ziemlich bewohnt, ja fast zersiedelt. Wahrscheinlich handelte es sich nahezu ausschließlich um Ferienhäuser. Wir fühlten uns jedenfalls nicht wohl und zogen nach einer Ehrenrunde weiter. Auf zur nächsten Bucht. Es gibt ja genug.
Die Platjas de Algayarens machten einen viel besseren Eindruck. Nicht bewohnt, bis auf ein Seitental, schien dies der ideale Ankerplatz. Ein Felsen teilte den langen Strand am Ende der Bucht. Auf beiden Teilstränden waren noch Badegäste zu sehen, die sich aber zusehends verkrümelten als die Sonne immer tiefer sank.
Zunächst testeten wir den steuerbord liegenden Teil der Bucht. Aber hier gab es in Strandnähe Felsbarrieren. Man konnte nicht sehen, wie weit sie sich unter Wasser fortsetzten. Die Backbordseite der Bucht ließ keine Hindernisse vermuten. Ganz vorsichtig tasteten wir uns an den Strand heran. Alles Sand. Bei 1,40 m Tiefe hatten wir Grundberührung. Na gut, langsam wieder ins tiefere Wasser. Nase in den Nordwestwind und Anker fallen. 3 m Tiefe und noch immer ziemlich weit bis zum Strand. Prima, hier bleiben wir.
Solange die Sonne noch schien, gingen wir baden. Ankerlage kontrollieren. Alles bestens.
AAAHHH! SCHÖÖÖÖN!
Frank schwamm schon mal zum Strand und guckte sich ein bisschen um. Wir saßen noch lange zusammen in dieser Nacht. Nur ein Lagerfeuer fehlte noch (die Mini-Sturmlaterne aus Claudias Küchentasche tat es aber auch).
Claudia wollte mal testen, ob es hier Meeresleuchten gab und rührte am Heck mit einem Kochlöffel im Wasser herum. Allgemeines Gelächter. Na klar. Aber dann konnte man es sehen. Einzelne Leuchtpunkte blitzten im Wasser auf. Romantisch.
Und ein toller Sternenhimmel! Ganz klar!
Als ich in den frühen Morgenstunden noch mal an Deck ging (ich hatte wieder die Koje, Frank schlief oben) waren die Fünkchen im Wasser auch ohne Rühren zu erkennen.
Tag 5 Mittwoch, den 24.10.2001 Von Platjas d Algayarens nach Cala moltó
Heute gabs
keine Brötchen. Wir machten lockeres Frühstück. Jeder
nahm sich was vom Frühstückstisch und wir trafen uns dann
im Cockpit oder gingen zwischendurch schwimmen.
Urlaubsstimmung pur. Mit dem Beiboot pröttelten Lutz und ich zum
Strand, um das Schiff mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Dafür fütterten wir die Fische jetzt mit Brot, von dem wir durch Lutzens Affinität zum Bäckergewerbe mehr als genug besaßen. An unserem Ankerplatz gab es drei verschiedene Fischarten. Aber fragt mich nicht, welche! Eine sah aus wie kleine Hechte, aber mit ganz langer Schnauze.
So, auf auf, wir wollen nach Mallorca zurück. Den Plan, Menorca zu umrunden, haben wir nach kurzer Beratung wegen des nachlassenden Windes wieder verworfen. Noch überlegten wir, ob wir in die Bucht von Pollensa segeln sollten, aber als wir unterwegs waren und der Wind immer mehr einschlief, nahmen wir die kürzeste Route: Cala Ratjada bzw. Cala moltó.
Unterwegs überkam mich die Lust, ins Wasser zu tauchen und wir legten mitten in der Straße von Menorca eine Badepause ein. Ich suchte verzweifelt meine Badehosen. Aber beide waren futsch. Na dann ohne. Gabi versuchte nickeligerweise ein Foto zu machen, als ich wieder an Bord kam, aber Frank achtete auf die guten Sitten und bedeckte die Bildfläche.
Nach dieser Erfrischung waren die Lebensgeister wieder wach.
Ich jammerte einige Zeit nach meinen Badebuxen und animierte den Rest der Mannschaft zu einer, wie ich hier tadeln muss, sehr halbherzigen Suchaktion. Ich habe ja einen Verdacht: beim nächsten Törn in Claudias Küchentasche.....!
Zweimal sahen wir Tümmler oder Delphine oder sonst was, das aus dem Wasser sprang, aber leider war die Entfernung zu groß, als dass man es hätte genau ausmachen können.
Ach ja, an der Möwenrettungsinsel vom Hinweg kamen wir auch wieder vorbei. Tolle Navigation!
Der Rest lief ab, wie gehabt. Einlaufen in die Cala moltò. Anker, Heckanker, Außenborder aufs Dinghi. Wir wollten nach Cala Ratjada essen gehen. Ottmar hatte allerdings Magenprobleme und blieb an Bord.
Wir anderen fünf setzten in zwei Partien an Land und wanderten am Strand von Cala Ratjada entlang, der jetzt in der Dämmerung verlassen dalag, bis auf ein Sandreinigungsfahrzeug, das seine Kreise zog, und einen wildgewordenen Endurofahrer.
Wir kamen an ein paar Hotelanlagen vorbei zur Restaurantmeile. Und wieder passierte dasselbe wie in Ciutadella. Wir konnten uns nicht entschließen. Endlich hatte ich keinen Bock mehr, stellte mich auf die Straße und rief laut: Hunger! Und siehe da, uns wurde geholfen. Zwei Damen, die uns entgegenkamen meinten: Wir auch! Wir fragten, wo man gut hingehen könne und sie meinten, wir sollten mal zu Manolo gehen. OK, gingen wir also zu Manolo. Die Speisekarte hatte alles, was wir brauchten. Warum waren wir vorhin dran vorbeigegangen? Also los: Fisch, Steak, Bier, Cola, Sangria. War keine feine Küche, aber wir waren satt. Hinterher brauchten wir noch ein Eis. Ein adäquates Etablissement hatten wir bereits gesichtet. Das Eis war nicht besonders gut, aber günstig.
So, nu wieder zurück. An Lutz Bäckerei vorbei, am Strand längs und per Dinghi zurück zum Schiff. Ich hatte ein klitzeklein bisschen zuviel Sangria getrunken und die Nacht war stockrabenschwarz. Die zweite Portion Kollegen am Strand wiederzufinden und aufzunehmen machte schon einige Mühe.
Aber wie alles bisher funktionierte auch dies.
Tag 6 Donnerstag, den 25.10.2001 Von Cala moltó nach Porto Cristo
Unser Törn näherte sich nun langsam seinem Ende. Mist, dass es Ottmar so dreckig ging. Mit Lutz fuhr er an Land und dann liefen sie nach Cala Ratjada, um eine Apotheke aufzusuchen. Bis zum Hafen mussten sie wandern. Ottmar schluckte das mitgebrachte Zeug, meinte aber zunächst, viel Wirkung hätte es nicht.
Wir hatten noch zwei Segeltage und gedachten, langsam dicht unter Land zurück nach Cala dOr zu schippern und uns die Küste und die Orte anzuschauen. In Porto Cristo wollten wir übernachten.
Am frühen Nachmittag erreichten wir die Cala Petita. Wie der Name schon sagt, eine Petitesse von Bucht. Einfahrt, Knick, winziger Strand. Aber die Bucht liegt in unverbauter Landschaft und wir waren hin und weg von dem Anblick. Kann man kaum beschreiben. Aber es gibt ja Fotos. Wir ankerten in dem Knick und ich hopste ins Wasser, weil schnell ein Tau vom Heck zu einem Felsen gespannt werden musste, damit das Schiff nicht an die Wand der Bucht getrieben wurde. Mangels Badehose ihr wisst schon. Das gespannte Tau hatte noch einen Nebeneffekt. Kurz nach unserem Ankermanöver kam ein Glasbodenboot von Porto Cristo herüber, konnte aber nicht in die Bucht fahren. Schranke!
Ottmar ging es glücklicherweise nun doch wieder besser. Er konnte schon wieder in den Felsen herumkraxeln.
Wir badeten ausgiebig und bevölkerten die Felsen und das Plateau. Frank machte den Todessprung von 5 oder 6 Metern Höhe (oder mehr?)ins Wasser. Hab ich leider nicht life gesehen, sondern erst später auf dem Foto.
Nachdem wir uns ausgetobt hatten und alle wichtigen Entdeckungen gemacht waren, sowohl geologisch als auch botanisch, zogen wir wieder von dannen. Kurz um die Ecke nach Porto Cristo. Eine etwas eigenwillige Einfahrt und dann gleich backbords der Club Nautico. Ein freundlicher Hafenmeister reichte uns die Muring und ruck-zuck lagen wir fest. Um uns herum ein paar dicke Dickschiffe. Alles Deutsche. Aber nett. Was heißt aber ?! Also, die waren nett. Punktum!
Die Waschduschtoilettenkabinen waren prima eingerichtet und sauber. Die Preise auch. Pro Nacht 4000 Peseten. Nebensaison. In Porto Azurro auf Elba hatten wir im Sommer 100000 Lire bezahlt, also etwa das Doppelte. Ohne sanitäre Einrichtung! Die lag im Ort und musste extra berappt werden.
Abends gingen wir in den Ort. Wir stellten einstimmig fest, dass Porto Cristo zwar nicht besonders hässlich ist, aber eben auch nicht hübsch. Wir konnten uns vorstellen, dass während der Saison reger Busverkehr wegen der Besucher der Drach-Grotten herrscht. Mit dem entsprechenden Touristischen Ambiente. Nix für uns.
Nun waren wir aber schon mal da und mussten was essen. Wir nahmen in der Freiluftdependance eines Restaurants am Hafen Platz und aßen. Nicht üppig aber hochpreisig. Und mit Kreditkarten konnten wir auch nicht bezahlen. Der Wirt wollte Bares sehen. Gut, er bekam Bares im Klingelbeutelformat.

Den Cappucino (typisch mallorcinisches Getränk!) nahmen wir vor dem Café des Club Nautico. Und dann war ich müde und schlief sobald ich in der Koje war. Ob, wann und warum die anderen an Bord kamen kann ich daher leider nicht berichten.
Tag 7 Freitag, den 26.10.2001 Von Porto Cristo nach Cala dor
Nach einem frugalen Frühstück machten wir uns auf den Weg zu den Drach-Grotten. Die Bootsnachbarn hatten am vorigen Nachmittag schon davon geschwärmt. Der Himmel war bewölkt. Wir verpassten draußen nichts. Ab unter Tage. Vom Club Nautico bis zum Höhleneingang ist es ein Klacks.
Als wir die Höhle betraten, kam auch gerade eine Riesenhorde Kindergartenkinder an. Die Betreuerinnen hatten ihnen eingeschärft, brav zu zweit zu gehen und still zu sein. Man muss sagen, sie versuchten es tatsächlich. Bis zur ersten Kurve in der Höhle. Mit den Kindern war es viel lustiger als sonst in Tropfsteinhöhlen. Irgendwann überkam mich ein Niesreiz, meine Nase explodierte, die Stalaktiten zitterten und alle Kinder waren plötzlich still. Nicht lange. Nach einiger Zeit Wanderung durch die Höhlen- und Nebenhöhlengänge gelangten wir zum Martel-See, wo die Sitzbänke einer leicht ansteigenden Tribüne schon zum großen Teil besetzt waren. Es wurde dunkel. Jemand hüstelte und 150 bis 200 Kinder hüstelten auch.
Der See wurde illuminiert. Eine Stimme erzählte nacheinander in vier Sprachen, was jetzt kommen sollte. Und dann erschienen drei mit Glühbirnen beleuchtete Ruderboote. Auf dem ersten ließen sich, nur schemenhaft zu erkennen, drei Musiker über den See rudern, während sie ruhige, meist klassische Stücke spielten. Meditative Stimmung.
Schon in alter Zeit wusste man von der Existenz dieser Drach Grotten, aber niemand hatte sie jemals erkundet. Die wirkliche, wissenschaftliche Erforschung der Grotten fand 1896 statt; wir verdanken sie dem Erzherog Luigi Salvatore von Habsburg-Lothringen, der den Speläologen Edouard Martel mit dem Unternehmen beauftragte.
Es gibt vier Grotten, die alle untereinander verbunden sind: die "Cueva de Luis Salvador", die "Cueva de los franceses", die "Cueva Blanca" und die "Cueva Negra". Sie wurden vom Meer geformt (und dieses dringt auch heute noch in ihnen vor) und öffnen sich auf Gelände hin, die dem Zeitalter des Miozän angehören. In dieser phantastischen, versteinerten Welt übt der Martel-See einen ganz besonderen Eindruck auf den Besucher aus; der See wird von drei beleuchteten Booten, auf denen sich Musiker befinden, die für die zahlreichen Besucher die sanftesten Harmonien spielen, mit Licht überflutet.
Tja, und dann wieder raus aus der Höhle, rin ins Boot und Tschüs, Porto Cristo!
Wir hatten ja noch Zeit und konnten zum letzten mal zum Baden in eine Bucht fahren?! Gesagt getan.
Diesmal war es die Cala Magraner. Die Felswände ragten viel höher als bei der Cala petita von gestern. Am Strand hatten sich Kletterer fertiggemacht um an den Steilwänden hochzuhangeln.
Ich kletterte auch hoch, nahm aber einen etwas einfacheren Weg.
Die Kapitel werden kürzer, es wiederholt sich so manches im Lauf der Tage.
Wir verließen die Bucht wieder und machten den letzten Minischlag südwärts.
Ganz gemütlich. Bis wir merkten, dass wir uns etwas mit der Zeit verkalkuliert hatten. Langer Rede kurzer Sinn: um 17:00 Uhr waren wir mit Bernd im Hafen von Cala dor verabredet. Um 16:40 Uhr legten wir an der Tankstelle an und um 16:55 Uhr lag die Bon Vent III wieder zwischen den beiden breiten Motorbooten an ihrem Liegeplatz. Bernd kam um 17:10 Uhr. Na gut, bis zu einer Viertelstunde hätten wir ihm durchgehen lassen. Das Auschecken erledigten wir bei einer Dose Bier. Es kann auch etwas mehr gewesen sein. Für den nächsten Morgen wurde uns auf Nachfrage eine Führung durch das Ferienhaus der Masuchs versprochen.
Wir sichteten unseren Proviant und stellten mit Entsetzen fest, dass noch Bier da war. Nicht mehr lange.
Frank stellte fest, dass dafür etwas anderes nicht da war: sein Rasierapparat. In Porto Cristo vergessen.
Ein letztes mal besuchten wir den Ort und unser Fischrestaurant, köpften neben den Scampis auch ein oder zwei Flaschen Wein und nahmen noch ein Fläschchen mit ins Cockpit. Irgendwann ganz spät zu spät strichen wir dann unsere Segel, oder besser: unsere Fahnen. Frank und ich ließen Koje Koje sein und schliefen im Cockpit.
Als ich aufwachte, zog ich doch noch um unter Deck. Dort konnte ich dann noch 10 Minuten liegen, bevor unbarmherzig irgendwo ein Wecker piepte.
Tag 8 Samstag, den 27.10.2001 Rückflug
Das kann doch gar nicht sein, ich brauch doch mindestens noch drei Stunden Schlaf!!!
War nicht. Viertel vor sieben. Um halb acht hatten wir uns am Ende des Stegs verabredet. Reisefertig.
Irgendjemand fragte: wo ist der Toilettenschlüssel. Wo er immer gehangen hatte, war er nicht.
Ich schimpfte wie ein Rohrspatz und suchte mit der Taschenlampe den Weg vom Boot zum Sanitärgebäude ab. Drei mal. Futsch!
Ich meckerte: keiner kümmert sich um was, den Wassertank wollten wir auch noch auffüllen. Ihr duscht einfach und trinkt Kaffee, dabei müssen wir gleich fertig sein..... in diesem Stil. Ungenießbar!
Lutz meinte trocken, ich hätte mir wohl am Abend ordentlich die Kugel gegeben.
Aber an diesem Morgen konnte man mit mir nicht mehr reden. Ich schnappte mir den Schlauch und füllte den Tank. Eingeschnappt.
Jetzt reg dich nicht auf! - Ich will mich aber aufregen. Bah, was kann ich eklig sein. Wäre ich in irgendeiner Bucht so durchgedreht, wäre ich sicher unfreiwillig über Bord gegangen.
Inzwischen haben alle vereinbart: der Jung kriegt keinen Alkohol mehr.
Moni und Bernd waren pünktlich und machten Scherze!!?? Dabei war es noch stockfinster.

Bald wäre doch noch einer von uns baden gegangen. Der Steg war nass vom Tau und vom Boot musste man einen ziemlich großen Schritt machen. Etwas viel für Claudia. Glücklicherweise verletzte sie sich nicht.
Ein Blick noch zurück zum Schiff. Bon Vent III. Es stimmt : aller guten Dinge sind drei. Ich murmelte noch den Spruch mit der Handbreit Wasser unter dem Kiel, dann verließen wir den Hafen, um die Ferienvilla zu bewundern.
Es würde den Rahmen dieses sowieso schon aus den Fugen geratenen Berichts vollends sprengen, wollte ich nun auch noch eine detaillierte Beschreibung dieses Feriendomizils anfügen. Trotz meines Zustandes war und bin ich schwer beeindruckt. Trotz der hohen Erwartungen, die das Schiff geweckt hatte!
Am Flughafen gabs einen kurzen Abschied, denn unsere Gastgeber mussten die nächste Crew in Empfang nehmen.
So langsam konnte man wieder mit mir kommunizieren. Und als ich im Flieger von allen Seiten den Kuchen zugeschoben bekam, gings mir wieder gut.
Wir wurden von lieben Menschen in Düsseldorf abgeholt, natürlich Sauwetter.
Epilog
Nix passiert: der Hafen von Ciutadella ist nicht ausgelaufen, die Drach-Grotten sind nicht eingestürzt, kein Sturm, nicht mal Regen unterwegs, keine Macken im Boot. Aber der Verlust von zwei Badehosen, einem Rasierapparat und einem Sanitärgebäudeschlüssel und des bis dahin gehegten Vorurteils gegen Mallorca ist zu beklagen.
Zum Schluss ein guter Rat aus dem Cockpit: Wenn ihr vorhabt, auf Mallorca Ferien zu machen, nehmt Kontakt mit Moni und Bernd auf. Ich bin sicher, ihr fallt nicht auf die Nase!
Das hört sich nach Puderzucker an? Ausprobieren und dann selbst urteilen!
Epi-Epilog
Omma war beleidigt!
Omma ist mein Kugelfender. Ich hatte nach einer Beinahe-Kollision vor der Schleuse von Stavoren (Ijsselmeer) so oft von so einem dicken Puffer geschwärmt, bis ich ihn zum Geburtstag geschenkt bekam. Und Omma heißt er/sie, weil ich gern Lebensweisheiten von meiner Oma rezitiere (meine Omma hat immer gesacht:...). Im Hafen von Stavoren (natürlich) ist sie getauft worden. (Das war, bevor Lutz und ich das Schiff des Engländers übernommen haben, der sich den Fuß verknackst hatte aber das ist eine andere Geschichte.) Seitdem ist sie auf unseren Segeltörns immer dabei. Wegen Platzmangels hab ich sie diesmal schweren Herzens zu Hause gelassen.
Übrigens versuche ich seitdem, den seemännischen Begriff Omma für Kugelfender zu prägen. Vielleicht bin ich durch diesen Bericht ein Stück weiter gekommen?!
Epi-Epi-Epilog
Gerade eben habe ich das neue Preisrätsel von Mallorca Bootcharter erforscht. Die sieben Siegel.
Omma war nicht dabei. Ich bin enttäuscht.
Bis die Tage! (ich soll Mast- und Schotbruch schreiben sagen die fünf Freunde von der einsamen Insel)
Peter Windeck