Neusiedler-See-2001 Immer wieder neu entdecken

Auf dem Neusiedler See segeln? Auf der Pfütze? Umgeben von Millionen blutrünstiger Vampire (=Schnacken, Gelsen, Mosquitos)! Für uns immer wieder Spaß, Erlebnis und vor allem Erholung. Seit 30 Jahren, ich war noch ein Kind, kommen wir nun schon an den Neusiedler See.
Im ersten Jahr, in Podersdorf, mit einem Zelt auf einer Wiese(einen Campingplatz, wie das heute ist gab es noch nicht) haben wir uns für einen Tag mal ein Segelboot ausgeliehen.
Im folgenden Jahr wechselten wir nach Breitenbrunn.
Im dritten Jahr kamen wir schon mit einer eigenen Jolle, einem DELPHIN. Aus dem Zelt wurde ein Wohnwagen aus dem DELPHIN ein FLYING SAILOR mit Trapez.
Dann charterten wir zum ersten mal ein Kajütboot und von dann an immer wieder. Der See hatte uns vereinnamt.Seit 1992 haben wir ein eigenes Kajütboot. Erst war es eine NEPTUN 22 und seit 1996 liegt unsere GIBSEA 77 in Oggau im Yachthafen Unterweger. Die Kombination Segeln, Wein, bodenständiges Essen und die freundlichen Menschen wurden für uns zu einer zweiten Heimat. Der See und sein Umfeld wurde für uns nie langweilig und es hat sich mit uns verändert. Aus Kindern wurden Männer, und in Podersdorf steht jetzt ein Leuchtturm.
Im vergangenen Jahr haben Rolf und ich uns aufgemacht den See zu umsegeln. Das hat uns so gut gefallen daß wir in diesem Jahr wieder unterwegs waren, und für das nächste Jahr den Termin schon ausgemacht haben.
Leider hat in diesem Jahr das Wetter nicht so ganz mitgespielt, wir haben nach zweieinhalb Tagen abgebrochen und nur den nördlichen Teil besegelt.

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Wahrzeichen des Neusiedler See: Silberreiher


Abschnitt
von
nach
Kurs
Wind (Bft)
Wind Wolken
1 Oggau Podersdorf 60 2-3 NW keine
2 Podersdorf Purbach 330 2 NW keine
3 Purbach Breitenbrunn 20 1 NW keine
4 Breitenbrunn Neusiedl 75 2-3 SO leicht bew.
5 Neusiedl Podersdorf 210 1 SO leicht bew.
6 Podersdorf Oggau 240 3-4 NW bewölkt

Wir kamen am 14. Juni 2001 gegen 17.30 am Boot an. Zunächst brachten wir alle Taschen, den Proviant, Bier und Wein an Board. Ein Ratsch hier und ein Hallo da, ohne dies geht es in der Oggauer Segelergemeinschaft nicht.
Es stellte sich die Frage, segeln wir heute noch los oder übernachten wir im Heimathafen? Wenn wir lossegeln, könnten wir ja auf jedenfall noch nach Rust kommen.
Da klopft es, und Otto fragt uns ob den unser Elias wieder funktioniere. Der Elias ist unser Autopilot und der geht leider noch nicht. Nachdem Otto ja jetzt Radsteuerung auf seiner neuen Bavaria 31 hat, paßt natürlich sein Autopilot bei uns nicht. Doch er hat noch seinen alten, auch einen ST1000, um mal die Anschlüsse zu prüfen. Aber! Auch dieser funktionierte nicht. Strom hatten wir geprüft, alles paßt - was nun?
Wir kontrollierten die Leitungen und fanden eine oxidierte Sicherung. Die wieder saubergemacht, und der Elias war wiederbelebt. Jetzt war es schon 18.30 und nach solch erfolgreicher Arbeit mußten wir erst mal einen Manöverschluck nehmen. Danach verstauten wir unsere Sachen, jedes Jahr hat man mehr: GPS, Notebook, 2 Palm, digitale Kamera, und natürlich jeder sein Handy.
Bis alles untergebracht war, entschieden wir uns im Hafen zu übernachten und noch ein paar Dinge an Bord zu erledigen. So haben wir noch ein neues Radio eingebaut und ein neues Fall eingezogen.
Dazu haben wir aus einem Brett einen Bootsmannsstuhl gebastelt und Rolf hat mich dann am Großfall hochgezogen, so daß ich das Schnürl in der Salling einfädeln konnte.
Gegen 21.00Uhr kam Otto und fragt ob wir nicht auf ein Glaserl Wein rüber kommen. Klar, zu einem Schluck Wein auf einer Bavaria 31konnten wir nicht nein sagen. Kurz nach 24.00 Uhr verabschiedeten wir uns und gingen in unsere Kojen.

der Skipper an Board
Christian und Elias

Freitag 15. Juni 2001. Die Nacht war ruhig und um 06.00 Uhr beim Aufstehen war kein Wind. Wir kochten uns Kaffe dazu gab es Knäckebrot und Wurst.Um 08.45 legten wir ab.
Zwei Ziele hatten wir uns für die nächsten Tage vorgenommen, das eine, Anlegen bei Karin und Robert im Yachtclub Breitenbrunn, das andere endlich mal nach Purbach segeln. Um 09.00 Uhr verließen wir den Oggauer Kanal.
Bei strahlend blauem Himmel blies der Wind aus Nordwest mit 2 Bft. Wir segelten Kurs 90° Podersdorf/Süd und wendeten um 10.00 Uhr vor der Roßtränke. Neuer Kurs Purbach/Kanal. Der Wind blies gleichmäßig, es war angenehm warm und der Elias verrichtete seine Arbeit.

Der Oggauer Kanal
Rolf
Der Purbacher Kanal
Inder Purbacher Lagune

Kurz vor Purbach verließ uns der Wind. Mit einer schwachen Brise und unter Hilfe des Motors erreichten wir um 12.00 Uhr die Kanaleinfahrt von Purbach.
Aber was war das? Wir stecken im Schlamm! Vor der Einfahrt ist ein Wall aus Schlamm und nur knappe 80cm Wassertiefe. Mit voller Motorkraft pflügen wir uns über den etwa 50 Meter langen Schlammwall hinweg. Der Kanal selbst ist dann ungefähr 1,40 Meter tief. Um 13.00 Uhr legen wir in der Lagune in Purbach an. Aber Vorsicht, in 8 Meter Höhe ragen einige Äste auf den See und da hat man sich schnell mal die Windmeßanlage ramponiert. Bei der Bootsvermietung stoßen wir auf unsere erste Landung in Purbach von See aus an.
Um 14.00 Uhr legen wir in Purbach wieder ab und nach 45 Minuten unter Motor durch den Kanal sind wir wieder auf See und segeln Kurs Breitenbrunn Yachtclub. Per Handy melden wir uns bei Robert Tretenhahn an und bestellen schon mal eine Melange. Um 15.30 legen wir auf der Südseite des YCBB-Gästesteg an.

Im Restaurant des Yachtclub Breitenbrunn melden wir uns bei Karin und Robert, den Pächtern, an. Unsere Fauen melden sich telefonisch, sie sind mit dem Auto auf der Rückfahrt vom Outlet-Center Pandorf Richtung Neufeld unterwegs, und besuchen uns in Breitenbrunn. Während wir den Kaffee und den Blick von der Terasse über den See genießen, dreht der Wind von Nordwest auf Ost und wir verlegen unser Boot.
Wir diskutieren, wo wir heute nacht zum Schlafen anlegen, und kommen zum Entschluß den Gemeindehafen Breitenbrunn mal auszuprobieren. Nachdem wir unsere Damen zum Auto begleitet haben, gehen wir im Campingbüro vorbei. Frau K..., die Chefin vom Campingplatz und Hafenmeisterin weißt uns den Platz 298 zu und dort ist auch ein Stromanschluß. Für den Strom benötigt man Münzen, eine Münze kostet 20 Schilling und hält fünf Stunden.
Wir segeln dann vom Yachtclub zum Gemeindesteg. der Platz 298 ist sehr nahe am Ufer, aber wir staunen den die Zufahrt ist ca 1,20 Meter tief. Nur in die Box kommen wir leider nur zu Hälfte hinein und stecken wiedermal fest. Alles zurück und wir nehmen den Platz nebenan. Na Gott sei Dank die Wassertiefe paßt. Wir schließen den Strom an und faulenzen. Um 19.00 machen wir uns für den Landgang fertig. Die Duschen befinden sich im gleichen Gebäude wie das Campingbüro und für 10 Schilling gibt es 4 Minuten heißes Wasser. Hier möchte ich erwähnen, daß die Sanitären Anlagen sehr sauber sind. Um 20.00 sitzen wir wieder bei Karin und Robert in der Kantine des YCBB. Nach einem gemeinsamen Bier und Marille mit Robert sitzen wir auf der Terasse und essen Jägerhackbraten. "Sharky" das Essen war echt Spitze. Als Dessert gibt es hausgemachten Apfel-Mohn-Strudel, na was soll ich sagen, super. Und dazu die hinter dem Leithagebirge untergehende Abendsonne, der ruhige See vor uns, ein toller Abend. Um 22.00 Uhr ist Zapfenstreich und wir liegen in den Kojen.

Yachtclub Breitenbrunn
Captains-Dinner im YCBB-Restaurant mit Blick über den See
Abendstimmung iim Gemeindehafen Breitenbrunn
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Die Nacht ist unruhig, durch den Ostwind schlagen die Wellen ans Heck, das Großfall schlägt am Mast an. Ich gehe zum ersten mal raus. Wieder in der Koje klappert das Ruder - ich wieder raus, lege das Ruder anders fest. Kaum eingeschlafen, weckt mich ein surrendes Geräusch, nein keine Gelse, das Surren kommt von draussen - ich wieder raus, stelle fest: das ist der Mast, und nebenbei hat der Wind aufgefrischt. Was kann das sein? Ich kontrolliere alle Wanten, immer noch surrt es im Mast. Vorstag, Achterstag alles fest. Der Mast surrt. Beim vierten Aufstehen hab ich es dann gefunden, es war die Dirk. Es ist jetzt 0.30 und auch ich komme endlich zum Schlafen. Rolf hat nichts gehört.

Samstag 16. Juni 2001. Wir wachen um 06.00 auf, der Wetterdienst meldet für das Nordburgenland nochmal einen schönen Tag. Am Abend ist mit Gewittern zu rechnen. Nach der Morgentoilette, ( für den Elektrorasierer fanden wir nirgends Strom und die Naßrasierer waren alle kaputt), machten wir uns Frühstück. Um 08.00 meldetet wir uns im Campingbüro ab und segelten Richtung Neusiedl.
Beim Passieren des YCBB winkten wir nochmal dem Robert der gerade die Flaggen hießte. Mit einem dreier Wind segelten wir nach Neusiedl, blauer Himmel vereinzelt ein paar Wolken. In Neusiedl vor dem Union Yachtclub wendeten wir und segelten Kurs Weiden. Leider verlies uns wiedermal der Wind. Vorbei an Weiden kam auf Höhe der Bauminsel (=Liebesinsel) der Wind aus Nordwest zurück. Wir nahmen Kurs Podersdorfer Leuchtturm.
Wir legen auf der Nordseite am Leuchtturm an, Wassertiefe ca. 90 cm, aber was noch schlechter ist, wo soll man hier seine Festmacher am Ufer belegen? Liebe Podersdorfer, wollt ihr keine Gäste? Nun an Fahrradständer und Laterne festgemacht gehen wir in Podersdorf Eis essen. Rolf ißt Joguhrt mit Erdbeeren, ich bestelle Erdbeeren mit Vanilleeis, bekomme aber auch noch Schlag dazu.
Per Handy reservieren wir in Rust, im Ruster Hof, bei Famile Mooslechner einen Tisch für Sonntag, zum Törnabschluß.


unser Instrumentenbrücke
unser technisches Equipment

Auf der Westseite ziehen am Himmel schwarze Wolken auf. Wir zahlen, gehen zurück zum Boot. Ich wollte noch die Bilder von der Digitalen Kamera auf das Notebook spielen, aber irgendwie läuft's nicht, und so legen wir erstmal ab. Ein Blick auf die Uhr, wir notieren fürs Logbuch Uhr 14.00. Rolf legt Kurs 240°, Oggau, an. Ich bastle am Notebook und nach einiger Zeit sind auch alle Bilder überspielt. Es ist stark bewölkt und der Wind frischt in Böen bis auf 5 Bft auf. Elias steuert, Rolf und ich machen Klar Schiff. Rolf die Plicht, ich das Vordeck. Was Wasser, Schwamm und Bürste doch bewirken können. Unser Schiff ist ja richtig weiß.
Um 15.30 erreichen wir die Kanaleinfahrt nach Oggau, wir bergen die Segel und motoren durch den Kanal in den Hafen. Wir schaffen es gerade noch um 15.45 in die Box und fest zu machen. Der Hunger meldet sich.Plichttisch aufbauen, Tisch decken, Salami aufschneiden, Bier öffnen, endlich Brotzeit.
Ach so, das Wetter, das hat sich so schnell wie es kam auch wieder verzogen. Blauer Himmel, typisch See. Nach der ausgiebigen Jause, spielen wir am Palm und auf dem Notebook. Nachdem für Sonntag nun entgültig schlechtes Wetter gemeldet ist, beschließen wir nach Hause, nach Neufeld, zu fahren. Am Sonntag war es dann auch wirklich regnerisch und kühl. Erst am Abend kam die Sonne wieder durch. Wir fuhren mit dem Auto nach Rust, machten einen Stadtrundgang und schlemmten dann im Ruster Hof bei ausgesuchten Weinen nach einem Glas Holunder-Sekt, Schwammerlrostbraten, Filetsteck und zum Schluß Dreierlei von der Holunderblüte. Liebe Familie Mooslechner von dieser Stelle viele Grüße an Sie und Ihr Team.

Restaurant "Ruster Hof" der Familie Mooslechner

Lieber Rolf vielen Dank für diese schönen Segeltage, wir werden sicher im nächsten Jahr wieder die Veränderungen auf unserem Segelrevier suchen, vielleicht mal mit zwei Booten. Liebe Leser, wir werden dann wieder von unserm Törn berichten. Vielleicht teilt ihr uns auch mal eure Eindrücke mit? Für das nächste Jahr haben wir schon den Termin festgelegt.

Mast- und Schotbruch

Christian Maurer
maurer@cms-maurer.de
http://www.cms-maurer.de/

Christian im Mast



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