Seekrankheit

Wie entsteht Seekrankheit?

Achtung: Die Darstellungen auf dieser Seite sollen nur allgemein informieren. Sie ersetzen keinen ärztlichen Rat! Die erwähnten Mittel sind z.T. rezeptpflichtig.

Jeder Segler weiß, daß Seekrankheit meist diejenigen trifft, die sich unter Deck befinden oder z.B. gerade Leinen aufschießen oder andere Tätigkeiten an Bord ausführen, ohne den Horizont im Blick zu haben. Dann scheint für die Augen die Umgebung relativ unbewegt, egal welcher Seegang gerade herrscht. Da es dem Gleichgewichtssinn andererseits nicht entgeht, daß irgendwie doch recht heftige Bewegungen stattfinden, treffen im Gehirn einander widersprechende Informationen ein. Dann kommt, was viele Menschen von einer Bootsfahrt bei stürmischer See kennen: Kopfschmerzen, Schwindel, Pulsanstieg und jenes drückende Gefühl in der Magengegend, das den "Rückwärtsgang" aus dem Magen ankündigt. Bei den für Seekrankheit anfälligen Personen steigt zunächst - und noch bevor die Übelkeit einsetzt - der Gehalt der Streßhormone Adrenalin und Noradrenalin im Blut an, und nach einigen weiteren Minuten schnellt der Spiegel von Vasopressin, einem Hormon der Hirnanhangsdrüse, in extreme Höhen. Danach ist in der Regel Schluß mit lustig... Der oder die Betroffene ist gelbgrün im Gesicht und füttert die Fische. Im Extremfall sinnt er auf Selbstmord. (Wirklich, das kommt vor!!! Passen Sie auf solche Leute gut auf!)

Gibt es Hilfe?

Chinesische Ärzte wenden die Akupunktur bei der Reisekrankheit an. Sie bauen da auf alte Erfahrungen auf, denn Asiaten sind besonders anfällig für Seekrankheit. Ein Akupressurarmband gibt es seit kurzem auch speziell für diesen Zweck. Sie bekommen es unter anderen bei akupressur-band.de.

Die westliche Medizin baut mehr auf Medikamente (Antiemetika), die teilweise recht intensiv in den Körper eingreifen und daher wegen der Nebenwirkungen nicht für alle Menschen geeignet sind. Es gibt im Wesentlichen 3 Medikamentengruppen:

  • 1. Cholinolytika:
    Sie enthalten Atropin und/oder Skopolamin und blockieren den Brechakt. (Präparate:Vasano®, Emesan®, Extracta Belladonnae usw.). Nebenwirkung: Trockenheit von Mund und Nase, Tachykardie. Kontraindikationen: Glaukom, Prostatahypertrophie, Tachykardie
  • 2. Antihistaminika:
    Sie enthalten: Diphenhydramin (Emesan®, Fortraevel®, Vomex A®, Dramamine®). Die Wirkungsdauer beträgt 2 bis 5 Stunden. Meclocin (Postafen®, Bonamine®, Peremesin®Contravert®, Diligan®, und Peremesin®). Die Wirkungsdauer beträgt 10 bis 20 Stunden. Die Präparate wirken mindestens ebenso gut wie Atropin und Skopolamin und haben diese Alkaloide aus der Behandlung der Reisekrankheit nahezu verdrängt. Nebenwirkungen: Teilweise erhebliche Müdigkeit und Abgestumpftheit. Trockenheit in Mund und Nase. Größere Dosen bewirken motorische Unruhe.
  • 3. Neuroleptika:
    Promethacin (Atosil®). Dieses Präparat steht dem Chlorpromacin (Metaphen®) sehr nahe.Auch hier gibt es einen atropinähnlichen Effekt auf den Hirnstamm. Die Wirkungsdauer beträgt 5 bis 19 Stunden. Nebenwirkungen: Erhebliche Müdigkeit (das Präparat wird auch als allgemeines Sedativum eingesetzt).
Wegen der stark sedierenden (die Wahrnehmung dämpfenden) Eigenschaften eignen sich alle oben genannten Medikamente nicht für den diensttuenden Skipper oder den Rudergänger. ("Stoned" darf man nicht das Schiff führen...)
Allerdings ist ein wirklich seekranker Skipper auch nicht mehr in der Lage, das Schiff zu führen! Man muß also abwägen, wie hoch das jeweilige Risiko ist. Auf jeden Fall wichtig sind andere erfahrene Crewmitglieder, die den Skipper im Notfall vertreten können. Aktive Crewmitglieder können Antihistaminika wählen, da deren antiemetischer Effekt sehr gut und sie weniger müde machen als Neuroleptika. Für Schwangere sind nur Neuroleptika empfohlen.

Auch durchblutungsfördernde Mittel sind oft wirksam: Bekannt und nach Aussage vieler Seefahrer gut bekömmlich und wirksam ist z.B.das Mittel Cinnarizin®, ein Mittel das die Durchblutung des geplagten Hirns fördert, dem wegen der Stresshormone leicht "der Saft abgedreht" wird.

Als "sanfte" Mittel eignen sich Ingwerpräparate oder auch kandierter Ingwer sowie homöopathische Mittel wie "Cocculus D6". Die helfen leider nicht allen, könnten aber trotzdem das Richtige für Sie sein.

Im Gespräch ist auch - man glaubt es kaum - das normale Vitamin C!
Die Initiative des Havariekommandos in Cuxhaven, die Wirksamkeit von Vitamin C gegen Seekrankheit wissenschaftlich zu überprüfen, ist aber vorerst gescheitert. Es sollte im Ausbildungszentrum der Deutschen Marine in Neustadt an 60 Probanden getestet werden, welche Wirkung die Einnahme von Vitamin C hat, wenn Übelkeit auftritt. Aber das Marineamt in Rostock hatte die Nutzung des Beckens untersagt, weil nicht die richtigen Dienstwege eingehalten wurden... Jetzt wurde erneut ein Antrag beim Marineamt eingereicht. Man darf gespannt sein, ob der Beweis 2006 erbracht wird. Derweil gibt es positive Anzeichen zur Vitamin-C-Wirkung. Es liegen viele Erfahrungsberichte vor, die Vitamin C als wirksames Mittel empfehlen lassen. Mein Tipp: Einfach selbst ausprobieren. Es schadet ja nicht.

Fragen Sie auf jeden Fall Ihren Arzt oder Apotheker wegen der Dosierung und der möglichen Nebenwirkungen um Rat!

Wenn heftiger Seegang zu erwarten ist, sollte man ruhig vorbeugen und nicht warten, bis die Seekrankheit da ist. Dann helfen meist nicht einmal mehr die starken Mittel. Testen Sie aus, was Sie am besten vertragen und was bei Ihnen gut wirkt. Vor allem auf langen Törns ohne Möglichkeit an Land zu gehen ist Seekrankheit fürchterlich! Lassen Sie es möglichst nicht so weit kommen.

Wer empfindlich ist, sollte stets an Deck beschäftigt werden mit dem Blick an Himmel und Horizont ( z.B. Rudergehen). Nicht bücken, nicht lesen oder auf das Deck schauen, möglichst nie unter Deck gehen... Und vor allem - keine Panik. Angst ist an der Entstehung der Seekrankheit stark beteiligt (Stresshormone!!!).

Ach ja, bevor ich es vergesse: Eine neue Erfindung des Skippers Tassier soll ebenfalls wirksam Seekrankheit verhindern: Es handelt sich um eine Brille mit eingebautem "künstlichem Horizont". Da dieser Horizontbalken im direkten Sichtfeld beider Augen auftaucht und alle Schwankungen brav anzeigt, soll die stresserzeugende Differenz zwischen Ohrinformation und Augeninformation nicht mehr so stark auftreten. Sie bekommen diese Brille bei http://www.swiss-tech.com .









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