segelnetz.de - TechnikOsmosebetrifft wie die Schichtentrennung viele Boote , einschließlich scheinbar "gesunde". Hier können Sie nachlesen, was wirklich dran ist an allem Gerede über das Phänomen, das man auch den "GFK-Krebs" nennt, oft mißverstanden und noch öfter mißbraucht, um damit Geschäftsinteressen zu dienen... Wenn das Thema akut ist, wird es entweder heruntergespielt oder maßlos übertrieben, je nach dem, ob man ein Boot verkaufen oder reparieren will.
Hier kurz, was man manchmal so hört über Osmose:
Wir hören hier mal auf und gehen lieber zum Thema über: Osmose ist kein GFK-Krebs, sondern eher eine Plastik-Malaria. Man kann die Krankheit meist erfolgreich bekämpfen, auch wenn's teuer ist. Zu dieser Heilung ist eine wirklich ehrliche Diagnose fast wichtiger als die Behandlung selbst. Zum Verständnis nochmal kurz die Erfolgsstory von GFK im Bootsbau:
Was ist Osmose und wie sieht der Schaden aus?![]() Grundsätzlich ist Osmose der Transport von Wasser durch eine Membran zwischen zwei Lösungen unterschiedlicher Salzkonzentration. Es gibt keinen Kunststoff, der das auf Dauer verhindern kann. Ohne ein grundlegendes Verständnis der Vorgänge an einem wasserumspülten Bootsrumpf, nutzt diese Information allerdings recht wenig. Die Widerstandsfähigkeit von Kunstharzen gegenüber Wasser zeigt sich im Test bei 60°C. Das beschleunigt die Vorgänge um ein Vielfaches gegenüber kaltem Wasser:
Osmose ist eine Krankheit mit Besserungsphasen und Rückfällen. Wenn der Rumpf aus dem Wasser ist, bessert sich das Schadensbild, weil Wasser aus dem Laminat verdunsten kann und sich auch noch zusätzlich entlang der Gewebefasern im Laminat verteilt... Aber sobald das Boot wieder ins Wasser kommt, geht es gleich wieder los! Das wird oft ausgenutzt, wenn Boote verkauft werden sollen. Einige Monate im geschützten Unterstand aufbocken, und das offensichtliche Schadensbild ist weg! Das in der Trockenheit zusammengeschrumpelte Antifouling tut ein übriges, die Schäden an der Oberfläche zu vertuschen. Ob ein an Land liegendes Boot Osmose hat, kann also nur durch einen genauen Hygrometertest des Rumpfes und genaueste Inspektion auf wassergefüllte Blasen festgestellt werden. Auch Proben des Antifouling-Überzuges können Hinweise geben. Allerdings bedeutet Feuchtigkeit im Laminat nicht unbedingt schon Blasenbildung. Osmose findet aber immer statt, wenn das Schiff im Wasser ist. Es kommt darauf an, wie stark das Laminat schon durchfeuchtet ist. Wassergefüllte Blasen sind untrügliches Indiz für Osmoseschäden. Der erste Schaden ist die Trennung der Glasfasern vom Harz. Das Boot wird zuerst einmal weich. Man merkt das oft, wenn die Boote auf dem Lagerbock abgestellt werden. Wird eine Yacht auf den Kiel gestellt und das Laminat ist noch nicht befallen, so kann sie über die Spanngurte mit ca. 400 Kilo je Gurt abgespannt werden ohne dass etwas einbeult. Auch durch die seitlichen Lagerbockstützen wird eine Yacht normalerweise nicht eingebeult. Wenn das passiert, dann liegen mechanische Schäden bereits vor wie ein Laminatbruch oder die Mattenbinder haben sich auf Grund der eindringenden Feuchte bereits vom Harz gelöst. Wenn es so weit ist, hilft nur noch das Abwracken. Wie sieht das typische Schadensbild vorher aus?Einzelne Osmoseblasen verformen die Gelcoatschicht. Blasen lediglich im Antifouling sind nicht schlimm. Abschmirgeln (vorsichtig!) und nachsehen! Das kann passieren, wenn Antifouling auf zu feuchte Rümpfe gestrichen, zu schnell verarbeitet oder falsch verdünnt worden ist. Machen Sie in solchen Fällen die Fingernagelprobe: Wenn sich die Blase ohne Werkzeug aufkratzen läßt, ist es ein Fehler im Antifouling, Blasen im Gelcoat können Sie nur mit Werkzeug aufstechen. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Blasen im Anstrich recht häufig vorkommen. Finden Sie unter dem Anstrich Blasen, so kratzen Sie vorsichtig mit einem Taschenmesser dran. Wenn dann eine runde Blase im Gelcoat aufbricht, ist es wohl Osmoseschaden. 3.Typisch für Osmoseschäden ist die Füllung der Blasen mit Flüssigkeit. Oft spritzt diese unter Druck heraus, sobald die Oberfläche angekratzt ist. Der ölige Blaseninhalt riecht stark nach Essig. Das kommt daher, daß Kunststoffbestandteile sich mit Wasser in Polyvinylazetat umwandeln. Weiter typisch ist die Farbe der Flüssigkeit, die sich je nach Fortschritt der Osmose von leuchtend gelb über braun bis fast in schwarz verändert. (Im letzteren Fall ist die Osmose schon lange am Werk...) Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Blasengröße, Farbe und Stadium der Osmoseschäden: relativ junger Befall zeigt sich in Blasen von 3-4 mm Durchmesser und leuchtend gelber Füllung. Blasen mit 3-4 cm, hohem Innendruck und dunkler Flüssigkeit zeigen ein fortgeschrittenes Stadium an. In Streitfällen haben Sie hier ein sicheres Mittel zur Beweisführung, ob die Osmoseschäden noch ganz jung, oder schon so alt sind, daß der Verkäufer es hätte vorher bemerken müssen. Warum kann Osmoseschaden entstehen?Hier die Hauptursachen:
Der Zeitraum, in dem der Rumpf im Wasser liegt, bestimmt den Zeitrahmen für die Vergrößerung von Osmoseblasen. Boote die regelmäßig für längere Zeit austrocknen können, zeigen weniger Schäden. Am einfachsten das zu erkennen ist das mit einen Feuchtemessgerät. Ein trockenes Laminat hat einen Wert von ca. 1,5 – 1,75%. Hat der Wert beim Unterwasserschiff 2,5% überschritten, dann geht es richtig los, nur nicht sichtbar. Darum empfehlen Yachthersteller , das Boot ca. alle 3 Jahre für ein ½ Jahr auf den Trockendock zu stellen um den Vorgang zu verlangsamen. Häufige Erneuerung des Antifoulings bedingt häufiges Abschleifen des Rumpfes. Dabei wird oft die Gel-Coat-Schicht zerkratzt oder teilweise abgeschliffen. Solche Schadstellen nehmen leichter Wasser auf, da das Laminat selber nicht wasserdicht ist. In diesem Zusammenhang erinnern wir daran, daß Wasser allein keine Osmose bewirkt. Es kommt auf das Vorhandensein wasserlöslicher Stoffe im Laminat an. Erst dann geht es los. Leider sind solche Stoffe immer vorhanden... Sie sehen, wie genau man hinschauen muß, um zu entscheiden ob es sich wirklich um Osmoseschaden handelt. Auch der Effekt, daß Osmoseblasen bei Schiffen, die längere Zeit im Wasser lagen beim Herausheben leichter zu entdecken sind als bei solchen, die schon ein halbes Jahr oder mehr an Land lagen (hier können oft nur winzige luftgefüllte Hohlräume festgestellt werden) macht die richtige Diagnose nicht eben leicht. Wie ernst ist die Lage?Lassen Sie uns erst einmal klarstellen: Ein Rumpf hat entweder Osmoseschäden oder nicht. Zwischendinge gibt es nicht. Wenn er Osmoseschäden hat, ist es egal, wie alt der Rumpf ist. Und auch die Behandlung ist immer gleich. Frisch aufgetretene Osmoseschäden mit nur sehr kleinen betroffenen Flächen werden sich in den nächsten 2 Monaten noch nicht zum Katastrophenfall ausweiten; aber wenn schon große Blasen verbreitet auftreten, sieht es schlecht aus.
Was ist "leicht" und was "schwer"?Junger Osmoseschaden hat kleine Bläschen nur an wenigen Stellen des Rumpfes, alter dagegen große Blasen über den gesamten Rumpf verteilt. Vergessen Sie nicht, daß verschleppter Osmoseschaden sich immer mehr ausbreitet. Die Blasen wirken, solange der Rumpf im Wasser ist, wie kleine Pumpen. Je nachdem ob das darunterliegende Laminat gut harzgetränkt ist oder nicht, wandert das Wasser entlang der Oberfläche oder dringt immer tiefer ins Laminat ein. Das saugt sich voll und gibt wiederum Salze an das Wasser ab. Die Osmose wird dann schnell zur Katastrophe. Früherkennung ist alles. Frisch aufgetretene Osmoseschäden betreffen meist nur die oberste Mattenlage. Das ist mit relativ wenig Aufwand zu reparieren. Blasen werden geöffnet, gesäubert und völlig ausgetrocknet. Dann kommt eine neue Gel-Schicht drüber. aber komplett, denn angeschliffenes Gelcoat ist ein Einfallstor für das Wasser. Wenn Sie aber mit der Reparatur zu lange warten, sind auch tiefere Schichten betroffen. Dann wird es richtig langwierig und teuer! zurück |