Nebel
Nebel ist eine große Gefahr vor allem in Küstennähe und in dicht befahrenen Gewässern.
Die Nebelvorhersage bereitet auch den Wetterdiensten oft Schwierigkeiten, weil dazu sehr genaue Temperaturdaten vorliegen müssen. Für die Sichbedingungen sind Unterschiede in der Lufttemperatur von ein bis drei Grad oft entscheidend. Dies ist schwer vorhersagbar: Schon örtliche Temperaturunterschiede, zum Beispiel zwischen Vlieland und Den Helder, können in dieser Größenordnung liegen. Unsicherheiten in der Vorhersage sind daher kaum vermeidbar. Durch sorgfältige, eigene Beobachtung kann man aber größere Sicherheit gewinnen. Liegen Wetterdaten aus Navtex-Meldungen oder Fax-Wetterkarten vor, kann man gegebenenfalls durch Routenänderung ein Nebelgebiet umfahren. Berücksichtigen Sie die aktuellsten Meldungen von Wetterstationen, besonders aus dem Gebiet, aus dem die Luft heranströmt.
Wie entsteht Nebel eigentlich?
Abhängig von der Temperatur kann Luft bis zu vier Volumen-Prozent (bis zu 30 Gramm Wasser pro Kubikmeter) Wasserdampf aufnehmen. Diese höchstmögliche Wasserdampfmenge bei der jeweiligen Temperatur nennt man Sättigungsfeuchte. Verdunstet mehr Wasser in die Luft - etwa an kühlen Herbsttagen über warmen Gewässern -, oder wird die Luft stark abgekühlt so dass sie die vorhandene Feuchte nicht mehr in Dampfform halten kann, so kondensiert an kalten Flächen der Dampf als Tau und in der Luft als Nebel. Damit Wasserdampf in der Luft kondensieren kann, müssen kleinste Staubkörnchen oder Salzkristalle vorhanden sein. Hier sammelt sich das Wasser bis die an den Partikeln entstandenen feinsten Wassertröpfchen in so großer Zahl (Ca. fünf Gramm pro Kubikmeter) vorhanden sind, daß sich Nebel bildet (unter 1000m Sicht).
Kennt man genaue Temperatur und relative Feuchte der Luft, so kann aus einem Sättigungsdiagramm abgelesen werden, ob der Taupunkt, also die maximal mögliche Dampffracht in der Luft schon erreicht ist.
100% relative Feuchte bedeutet: Der Taupunkt ist erreicht. Wenn es jetzt noch abkühlt oder weiterer Dampf zugeführt wird, gibt es Nebel oder Dunst. Nebelbestimmung an Bord Damit die Sichtweite auf etwa einen Kilometer (Nebel) herabgesetzt wird, müssen fünf Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft kondensiert sein. Da bei tieferen Temperaturen nur sehr wenig Wasserdampf in der Atmosphäre gehalten wird, muss dann der Taupunkt beträchtlich unterschritten werden, bevor die fünf Gramm kondensiert sind und Nebel herrscht.
Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt spielt die Taupunktsunterschreitung kaum eine Rolle, aber Segler in den Nordmeeren sollten sich damit näher befassen.
Typische Nebellagen
Folgende Wetterbedingungen führen zu Nebel:
Verdunstungsnebel entsteht, wenn der Luft durch Verdunstung immer mehr Feuchte zugeführt wird, bis sie schließlich mit Wasserdampf übersättigt ist. Nebel oder auch "Seerauch" steigt über warmem Wasser und eisfreien Rinnen auf. Da sich die Luft über dem Warmwasser aufheizt , kann Nebel nur entstehen, wenn das Wasser mindestens zehn Grad wärmer als die Luft ist. Vorsicht also bei Kaltlufteinbrüchen über Warmwassergebieten (zum Beispiel dem Golfstrom) vor allem im Herbst, wenn Kaltlufteinbrüche vom Festland über die noch warme See erfolgen. Seerauch reicht meistens nicht sehr hoch, eine kleine Yacht hat dann meist keine Sicht mehr,während Großschiffe darüber hinausragen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Wenn winterliche Kaltluft sich über tropische Seegebiete ergießt - etwa über dem Golf von Mexico mit seinem sehr warmen Wasser, kann der Verdunstungsnebel sehr dicht werden und über hundert Meter hoch reichen. Nebel ähnlicher Entstehung sind auch vor einer Warmfront und bei warmem Regen zu beobachten. Wenn warmer Regen durch deutlich kältere Luft fällt, dabei verdunstet und dann bei Übersättigung der kalten Luft wieder zu Nebeltröpfchen kondensiert. Er kann gekoppelt sein mit Mischungsnebel unmittelbar an der Warmfront, wenn zwei Luftmassen einen sehr großen Temperaturunterschied haben und beide feuchtigkeitsgesättigt sind.
Die meisten Seenebel werden durch Abkühlung der Luft unter ihren Taupunkt verursacht. Dies kann zwei Ursachen haben: Strahlungsnebel ensteht, wenn der Boden in wolkenarmen, windschwachen Nächten seine Wärme in den Weltraum abstrahlt und die Luft am Boden schnell abkühlt. Weil das Wasser wegen seines größeren Wärmeinhaltes seine Wärme nicht so schnell verliert, entstehen über See keine Strahlungsnebel. Sie können aber in der Nähe der Küste an Land entstehen und dann mit dem Wind auf See verdriften. So entstehen scharf begrenzte gefährliche Nebelwände, die sehr plötzlich erscheinen und sich schnell bewegen können. Die Sicht fällt dabei schnell unter 100 Meter!
Advektionsnebel entsteht, wenn feuchtwarme Luft über kalten Untergrund streicht. Die meisten Seenebel entstehen über kalten Meeresströmen (zum Beispiel Ostgrönlandstrom, Labradorstrom, Perustrom), über Seegebieten mit kaltem Auftriebswasser (zum Beispiel vor Portugal am Kap Finistere), sowie in allen Gebieten mit ständig ablandigen Winden, etwa in der Passatregion vor der Westküste Nordafrikas und vor Nordperu. Diese Gebiete mit kaltem Wasser sollte der Skipper kennen. Sie finden Daten dazu in den Monatstemperaturkarten des Wetterdienstes. Typische Advektionsnebel bilden sich im Frühjahr (Mai, Juni) auch über der Nordsee, der Deutschen Bucht und der Ostsee, wenn in dieser Zeit die ersten Warmlufteinbrüche feuchtwarme Luft über die noch kalten Wasserflächen treiben und die Wassertemperatur unter der Taupunktstemperatur der Luft liegt. Advektionsnebel wird umso dichter, je größer die Windstärke ist . Starkwind schließt also diesen Nebel nicht aus!
Die Zufuhr feuchtwarmer Luft aus den Subtropen kann man auf der Wetterkarte erkennen. Hat man eine Wetterkarte mit eingetragenen Stationsmeldungen, so kann man daraus meistens auch den Taupunkt der herangeführten Luft entnehmen.
Nebeldauer
Ist man schon in der "Waschküche", so interessiert , ob und wann sich der Nebel wieder auflösen wird.
Strahlungsnebel löst sich bei Sonne meist im Laufe des Vormittags wieder auf. Tut er es nicht, so hat sich eine Wolkendecke darüber geschoben und hält die Sonne ab. In diesem Falle steht eine Wetteränderung bevor! Dann kann der Nebel oft erst nach dem Durchzug einer Warmfront verschwinden. Führt der Kurs parallel zu einer langsam vorrückenden Warmfront, so kommt man durch eine (richtige) Kursänderung schneller aus dem Nebel heraus.
Advektionsnebel verschwindet erst, wenn die Zufuhr der feuchten Luft nachlässt oder sie durch trockenere und kältere Luft ersetzt wird; das ist in der Regel erst bei Windrichtungs-Änderung der Fall. Solcher Nebel kann unheimlich lange anhalten. Meiden Sie deshalb lieber Gebiete, in denen diese Nebelart häufig oder regelmäßig vorkommt. Und wenn's schon im Hafen vernebelt ist, bleiben Sie am Kai! Wenn Sie doch losfahren und dann im Nebel den Bug eines Frachtschiffs auf sich zukommen sehen, bleibt Ihnen meist keine Zeit mehr, Ihren Nachlaß zu regeln...
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