Am 17.8.2002 waren wir auf der Classic Regatta in Laboe. Ein Foto - Bericht :


Vor dem Start



  • Freitag, 16.8.02
    Mike Reinelt hat uns auf seiner wunderschönen Yacht "NIS RANDERS"
    Die Nis Randers am Steg

    von Kiel Holtenau aus mitgenommen. Unterwegs auf der Förde schläft der schwache Wind völlig ein. Es macht keinen Sinn, an Segeln zu denken.
    Mitten im Fahrwasser der Dickschiffe winkt eine junge Dame auf ihrem kleinen Folkeboot verzweifelt mit dem Tampen. Sie will auch gern an der Regatta teilnehmen. Zum Paddeln ist es nach Laboe allerdings noch ziemlich weit. So erbarmt sich Mike und wir nehmen das Schiffchen in Schlepp.
  • Folkeboot im Schlepp...
    Alter Hafen Laboe
     
     Senta längsseits
    Im Hafen liegen bei unserem Eintreffen bereits hunderte klassischer Schiffe in allen Größen. Es ist eng im Becken so daß die Schiffe nur noch in großen Päckchen zu viert und zu fünft am Kai liegen können.
    Alle haben ihre Schiffe fein herausgeputzt zur Feier des Tages. Unser Nachbarschiff ist so gut poliert, daß wir nicht einmal unsere eigenen Fender benutzen dürfen (wir haben keine mit Samtüberzug...).
    Am Abend werden die Regattameldungen bearbeitet, Kurse und Nummern ausgegeben und dann geht man erst einmal ins Festzelt um zu sehen, was denn die Konkurrenz so treibt.
    Später, an Bord werden Pläne geschmiedet, wie der Start am besten anzugehen sei und was sonst noch für den Sieg erforderlich wäre...
    Die Mannschaft der "Flica II" (Das Schiff in glänzend schwarzer Lackierung hat seinen eigenen Schleppdampfer "Örn" dabei!) trainiert eifrig Segelhissen mit dem großen Tuchballen am "Coffeegrinder". Wir verzichten auf derartige Kraftakte. Unser Mast ist nicht so hoch wie der der "Flica" und wir würden unser Segel auch ohne Spezialtraining noch schaffen...
    Bei mediterranem Klima sitzen alle noch recht lange draußen und geniessen die Stimmung im Hafen.
    Schlepper Örn
     
    Ships in Black... Flica und Örn
    Alle Segel an Deck...
     
    Erste Boote auf der Förde
  • Samstag,17.8.02, Regattatag
    Schon um 8 Uhr hektisches Treiben auf den Schiffen. Segelsäcke werden geschleppt, Takelage geprüft, letzte Briefings. Wir frühstücken erst mal. Es soll ja erst um 10 Uhr losgehen.
    9:00 Uhr : Die ersten Boote laufen aus. Auch wir machen die Leinen los und fahren hinaus auf die Förde, die bei leichtem Wind in der Morgensonne glitzert. Der Wind weht nicht stärker als 3 Beaufort. Keine guten Voraussetzungen für größere Yachten, von den übertakelten Rennziegen mal abgesehen.
    Also Vollzeug. Genua aufziehen, Spi klarmachen. Wir starten in Gruppe 3, 20 Minuten nach 10.
    GPS - tolle Erfindung!
    Schnell noch die Regattastrecke ins GPS eingeben!
  • 10 Uhr : Startschuß der ersten Gruppe. Im Bereich der Startlinie wimmelt es von Schiffen. Die 12er sind schon raus als wir auf die Linie zuhalten.
    Mike will möglichst weit in Luv starten und das Timing passt genau. 30 Sekunden vor dem Schuß liegen wir genau richtig vor der Startlinie.
    Aber dann schlägt Murphy`s Gesetz zu: Ein kleines Boot verirrt sich in die Masse der Dickschiffe die alle auf die gleiche Idee gekommen waren wie unser Skipper. Zu allem Übel treibt sich auch noch ein Fotograf mit seinem Motorboot genau auf unserem Kurs an der Luvboje herum. Sollen wir den Kerl aus dem Weg rammen oder geht er freiwillig? In letzer Sekunde legt er den Hebel nach vorn und trollt sich unwillig. Vielleicht entgehen ihm einige gut dotierte Fotos...
    Ausweichmanöver...
     
    Es wird eng...
    Skipper Mike voll konzentriert
     
    Die Heulboje
    Für uns ist die Sache aber jetzt trotzdem gelaufen. Eine große Yacht versperrt den Weg und diesmal sind leider wir ausweichpflichtig. Wir drehen ab und verpassen so den Start. Unser Skipper hält sich im Gegensatz zu dem der uns blockiert hatte an die Regeln. 180 Grad Wendemanöver. Der andere fährt unbeirrt weiter obwohl er außerhalb der Startlinie durchgelaufen ist. Protest! Mit großer Verspätung gehen wir endlich auch über die Startlinie. Jetzt gilt es, das Feld von hinten aufzurollen, soweit das bei dem wenigen Wind möglich ist. Unser Schiff kommt bei diesem Hauch nicht richtig in Fahrt. Trotzdem holen wir auf. Dank GPS verlieren wir keinen Meter und erwischen haargenau unsere idealen Wendepunkte an den Bojen.
    An der berühmten Heultonne beginnt der Vorwindkurs. Wir machen das schnellste Spinnakermanöver, das jemals auf der NIS RANDERS gefahren wurde. Leider fällt Susanne dabei reichlich unsanft auf die Ankerwinsch, was ihre gute Laune aber nur kurzzeitig dämpft. Sie läßt sich nicht hängen. Wir hoffen, daß sie sich nicht ernsthaft verletzt hat.
    Dreieckskurs. Alles läuft wie am Schnürchen. Heulboje - die zweite - diesmal haben wir für eine halbe Minute eine Eieruhr im Spi... Das lag wohl an Susannes unsanfter Landung beim vorigen Mal. 30 Sekunden hektische Rödelei, dann kriegt sie den Spi zusammen mit Gerd wieder frei und wir nehmen Fahrt auf.
    Schmetterling..
    Erstmal ein wenig erholen!
     
    mit Spi vorm Wind...
    Die Flica in Fahrt
     
    Gute Laune!
    Hinter uns haben einige Kokurrenten mehr Probleme mit ihrem Spi. Auch nach 2 Minuten ist deren roter Ballon noch nicht draußen. Das kostet Zeit! mitten drin...Wir holen weiter auf, aber es wird schon deutlich: auf vordere Positionen brauchen wir nicht mehr hoffen. Michael ist immer noch sauer über unser Pech beim Start. Egal. Hauptsache: dabei gewesen! Susanne fragt, ob fröhliche Gesichter ab sofort wieder erlaubt seien. Sie sind.
    An der Ziellinie treffen wir unsere Freundin mit dem Folkeboot wieder. Genau vor unserem Bug und ziemlich nah dran. Aber wozu hat der Skipper eine Mannschaft? Ist doch klar, damit er nicht allein Ausguck halten muß. Das Folkeboot wird also nicht angeschoben... Ach ja, wo ist die rote Protestflagge? Michael hat schnell eine gebastelt und an die Wanten geknüpft. Bringt immerhin mindestens eine Position. Damit beenden wir den offiziellen Teil und laufen wieder in Richtung Hafen Laboe. Regattaleitung auf Startschiff
    Die Harmattan Wieder ins Päckchen. Diesmal längsseits der "Harmattan", und mit unseren Fendern. Erstaunlicherweise bleibt deren Bordwand ohne Flecken...
    Im Hafen steht die Luft. Fast 30 Grad und die Sonne sticht. Wir beschließen ein Bad in der Ostsee zu nehmen um uns abzukühlen. Die Quallen sind nicht mehr ganz so dicht im Wasser wie noch am Tag vorher. Wir gehen also wirklich rein. Das Wasser an der Oberfläche ist warm wie in der Badewanne. Erst weiter draußen kommt man in 1,5 m Tiefe an kühleres Tiefenwasser. Trotzdem: Es erfrischt herrlich!
    Nach dem Bad zerstreut sich die Gruppe ein wenig. Ich gehe mit Gerd Fisch essen, weil der kurz vor dem Hungertod steht. Um 16 Uhr beginnt im Festzelt die Band zu üben und als die Sonne weiter im Westen steht geht die Fête richtig los. Jetzt ist nicht nur im Hafenbecken, sondern auch am Ufer Gewimmel. Es riecht nach Bratwurststand und auch die Urlauber mischen sich in großer Zahl unter die Segler. Bei einsetzender Dunkelheit wird überall gefeiert. In den kleineren Booten sizen die Jollensegler beisammen und an der Hafenecke läuft ein Stummfilm -
    der schwarze Pirat...
    "Der schwarze Pirat"- projiziert auf das Segel einer Jolle.
    Kaum noch Platz im Hafen...
     
    Drachen im Hafen!
    Abends nach der Regatta
     
    Abend am Kai
     
    Im Festzelt ist was los...
    Im Festzelt werden die Gewinner bekanntgegeben. Wir sind leider nicht dabei. Aber schön war´s trotzdem.
    Dann geht die Musik weiter, es wird getanzt und gelacht.
    Plötzlich Unruhe im Zelt. Eine Frau hat den Tom Jones Titel "Sexbomb" allzu wörtlich genommen und tanzt oben ohne vor der Bühne, versucht den Moderator zu sich herabzuzerren. Den strengen Hanseaten droht die Veranstaltung zu platzen. Alle Versuche die offensichtlich völlig ausgeflippte Dame durch gutes Zureden zur Ruhe zu bringen sind erfolglos. Sie wird immer hysterischer, kreischt und schlägt um sich... Schließlich ruft man den Krankenwagen. Nach fünfzehn Minuten kehrt wieder Ruhe ein und sogar die Musiker trauen sich wieder auf die Bühne. Den Titel spielen sie vorsichtshalber nicht noch einmal... Ausklang im Hafen...

    Wir beschließen diesen Abend mit einer gemütlichen Runde an Bord und gehen gegen 3 Uhr in die Koje. Morgen ist auch noch ein Tag.