Antifouling
- Gift oder nicht, das ist hier die Frage...


Die Intensität des Rumpfbewuchses bestimmen Revier (Süß- oder Salzwasser), Liege-und Fahrzeiten, Wassertemperatur und Sonneneinstrahlung. Ohne Antifouling wird das Unterwasserschiff in kurzer Zeit mit Bakterien, Algen und Kleintieren, vor allem Muscheln bedeckt. Das macht das Schiff langsam, erhöht den Treibstoffverbrauch und sieht auch nicht schön aus. Also braucht man Spezialfarben die den Bewuchs verhindern.


Licht und Schattenseiten der Farbe...

Antifoulings enthalten die unterschiedlichsten Chemikalien. Ein stark wirksames, aber auch hochgiftiges Mittel (auch für Sie!) ist TBT (Tributylzinn). Dieser Stoff ist in Sportboot-Antifoulings seit über 10 Jahren verboten. Doch immer noch finden einige Skipper Wege, an diese Farben über Werftzulieferer oder aus Altbeständen heranzukommen. Bei Berufsschiffen ist solch giftiger Anstrich noch erlaubt. Er gehört aber nicht auf Sportboote, die zumeist in den ökologisch empfindlichsten Zonen der Küsten und Binnengewässer unterwegs sind. Wenn Sie noch Reste davon besitzen: Werfen Sie das Zeug auf keinen Fall in die Landschaft! Umweltgerecht entsorgen lassen sich alte Farbeimer auf den Recyclinghöfen der Kommunen. Dorthin gehören alle leeren Farbeimer, auch die ohne TBT!
Der überwiegende Teil der Sportboot-Antifoulings enthält Kupferverbindungen, metallisches Kupfer und / oder organische Stoffe, so genannte Biozide (also GIFT!!), die Pflanzen und Kleintieren das Leben schwer machen.
Auch diese Farben sind ökologisch nicht unbedenklich. Kupferbelasteter Schlamm zum Beispiel gilt als Sondermüll und muss speziell entsorgt werden. Das kann einen Hafenbetreiber teuer zu stehen kommen, wenn sein Hafenbecken mal entschlammt werden muss...

Giftschlamm...

Um den Giftgehalt bei Antifoulinganstrichen zu kontrollieren, hat das Europäische Parlament 1998 Richtlinien verabschiedet: Nur noch zugelassene Farben dürfen auf den Markt. Für das Zulassungsverfahren müssen die Hersteller umfangreiche Studien durchführen. Sie müssen beweisen, dass die Inhaltsstoffe nur ein geringes Risiko für Unterwasserwelt sind. Altprodukte haben in Deutschland noch 10 Jahre Bestandschutz, also bis 2008. Dänemark Schweden und Holland haben jetzt schon ihre eigenen Vorschriften verabschiedet die Sie am besten vor Ort nachfragen, da sich immer noch etwas ändert an den Zulassungslisten.

Gibt es Alternativen zum herkömmlichen Antifouling? Es wurden beim Fraunhofer Institut Beschichtungen ohne Biozide untersucht, die eine glatte Oberfläche bilden und so den Bewuchs vermindern.

glatt ist Trumpf!

Es gibt drei Arten dieser Farben: Hartbeschichtungen, Wachs- und Fettüberzüge und Silikonbeschichtungen.
Für alle derartigen Beschichtungen gilt: Das Unterwasserschiff muss mehrmals in der Saison aus dem Wasser und mit einem Hochdruckreiniger oder der Bürste bearbeitet werden.

Ergebnisse der Studie:
Im Salzwasser bildete sich auf Hartbeschichtungen nach etwa vier Wochen Bewuchs, der sich weder mit Bürsten noch mit Hochdruck reinigen lässt. Nach zwei Monaten Süßwasserliegezeit ließ sich der Bewuchs dagegen bis auf Mikrofouling leicht mit Hochdruck abspritzen.
Besser schnitten Wachs- und Fettüberzüge ab: Sie konnten nach 3 Monaten in Salz und Süßwasser zum größten Teil vollständig gereinigt werden.
Die besten Ergebnisse lieferten Silikonbeschichtungen. Nach sechs Monaten gab es nur geringen Bewuchs, der sich mit Schwamm und Wasserschlauch leicht abwaschen lässt. Klarer Testsieger: Silikonbeschichtungen.
Die einzigen biozidfreien Alternativen, die im Süß- wie im Salzwasser ohne zeitliche Begrenzung gereinigt werden können.
Weiterer Vorteile von Silikonbeschichtungen: Selbstreinigend ab Geschwindigkeiten von etwa 30 kn (Interessant für Speedboote und (begrenzt) für Propeller). Ohne Bewuchs haben Silikonfarben einen geringen Reibungswiderstand. Solch eine Schicht muss etwa nach etwa 5 Jahren erneuert werden. Nachteile: Silkonbeschichtungen sind nicht überstreichbar. Wer wieder wechseln möchte, muss sie komplett entfernen. Die weiche Oberfläche ist empfindlich.

Beispiele verschiedener Hersteller:

  • Silikon-Antihaftbeschichtung von v. Höveling unter dem Namen "Biox". "Slipway" auf PTFE (Teflon)-Basis vom gleichen Hersteller wird nur für Süß- und Brackwasser empfohlen.
  • International hat mit "VC-17m" und "Trullux" teflonhaltige Farben. In diesen Anstrichen sind aber noch Biozide in schwacher Dosierung enthalten.
  • Der schwedische Hersteller Lotréc entwickelte eine sogenannte hydroviskose Farbe. Sie quillt bei Wasserkontakt auf und bildet eine schleimige Oberfläche, die eine Ansammlung von Bakterien verhindert. Ohne Bakterien ist das Unterwasserschiff uninteressant für Seepocken und Muscheln.
    Die Farben sind laut Hersteller für alle Bootsbaumaterialien geeignet, haben eine gute Gleitfähigkeit und lassen sich meist problemlos auf Altanstriche auftragen.
  • Jotun bietet mit "Performance" ein kupferfreies, aber biozidhaltiges Antifouling an.
  • Ganz ohne Biozide kommen nach fünf Jahren Entwicklung die LeFant-Farben aus.
  • "Selfpolishing 3000" aus dem Hause Sikkens ist ein Unterwasseranstrich, der sich häutet. Vorhandener Bewuchs wird auf den ersten Fahrmetern samt einer hauchdünnen Schicht abgewaschen. Verkauft wird diese Beschichtung momentan nur in den Niederlanden. "Selfpolishing 3000" soll den Unterwasserberreich eine Saison lang schützen.
  • Fünf Jahre soll eine Entwicklung aus Japan halten. Die Firma Kansai hat einen Kunststoffüberzug entwickelt, der sich durch Ionenaustausch abpellt. Positive Natrium-Ionen aus dem Wasser wandern an die Stelle positive geladener Zink-Ionenin der Oberfläche der Farbe. Das Abwandern der Zink-Ionen weicht die oberste Schicht so sehr auf, dass sie sich ablöst.

    Herstellerinformationen und "Farbfibeln" bekommen sie bei folgenden Adressen:
  • Acryl-Chemie, -Nautic und Jotun: Adolf C. C. Rüegg, Papenreye 19, 22453 Hamburg, Tel.040/585387.
  • Awlgrip, Epifanes und LeFant: M.u.H. von der Linden, Postfach 100543 Wesel, Tel. 0281/338300.
  • AWN: A.W. Niemeyer, Holstenkamp 56a, 22525 Hamburg, Hotline 0180/5259797.
  • Bonsea: Schwenkner, Spandauer Str. 18, 21502 Geesthacht, Tel. 04152/ 84550.
  • Hempel: Vosschemie, Esinger Steinweg 50, 25436 Uetersen, Tel. 04122/ 7170
  • International und VC-Systems: International Farbenwerke, Postfach 800449, 21004 Hamburg, Hotline 0800/1198930
  • Sikkens: Yachtpartner, Loggerstr. 12, 26386 Wilhelmshaven, Tel 04421/967010.
  • Sonnen: Herzog KG, Herzogstr. 29, 40215 Düsseldorf, Tel. 0211/ 7373127.
  • A. Gradmann, Hussenstr. 10, 78462 Konstanz, Tel. 07531/ 23088.
  • v. Höveling Yachtfarben, Dieselstr. 4C, 21465 Reinbek, Tel. 040/ 7277030.
  • Bodensee-Stiftung, Paradiesstr. 13, 78462 Konstanz, Tel. 07531/909830.